Neue Therapieansätze: Uni-Medizin ist dem Raucherhusten auf der Spur

MurielLizé

Göttingen. Ein Forscherteam unter der Leitung der Göttinger Wissenschaftlerin Dr. Muriel Lizé hat ein Gen entdeckt, das für schwere Lungenerkrankungen verantwortlich sein könnte. Das bietet einen Ansatzpunkt, um Therapien für Krankheiten wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zu entwickeln.

Von der Erkrankung sind oft Raucher betroffen. Wenn sogenannte Flimmerhärchen ihre Aufgabe nicht mehr vollständig erfüllen, wird die Atemluft knapp. Dr. Muriel Lizé, Leiterin der Arbeitsgruppe molekulare und experimentelle Pneumologie am Institut für Molekulare Onkologie, hat mit ihrem Team herausgefunden, dass das Protein „p73“ Gene reguliert, die für die Bildung von Flimmerhärchen verantworlich sind. Bei Versuchen haben sie erkannt, dass Zellen ohne dieses Protein weniger und kürzere Flimmerhärchen entwickelten, als Zellen mit ihm. Das teilt die Universität in einer Pressemitteilung mit.

Funktionieren diese Härchen nicht richtig, kann sich in den Atemwegen Flüssigkeit ansammeln, Fremdkörper können dann nicht mehr abtransportiert werden. Die Folge sind schwere Atembeschwerden. Dass das Fehlen des Proteins schwere Atemwegserkrankungen verursache, sei überraschend gewesen: „Bisher hatte man das Protein p73 noch nie mit einer Funktion in den Atemwegen in Verbindung gebracht“, sagt Lizé.

Mehr als 50 Gene, die unter der Kontrolle des Proteins stehen, hätten die Wissenschaftler ermitteln können. Dass dieses Protein als ein Faktor identifiziert worden sei, der ein ganzes Netz von Genen kontrolliere, biete einen neuen Ansatzpunkt für Therapien gegen chronische Lungenerkrankungen wie der COPD, sagt Lizé. (chm)

• Kontakt: Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Molekulrare Onkologie, Dr. Muriel Lizé, Tel. 0 551/39 103 73, E-Mail: mlize@gwdg.de Foto: privat/nh

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: Meist sind davon Raucher betroffen

Die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bezeichnet als Sammelbegriff eine Gruppe von Krankheiten der Lunge, die durch Husten, vermehrten Auswurf und Atemnot bei Belastung gekennzeichnet sind, heißt es im Online-Lexikon Wikipedia.

In erster Linie sind die chronisch-obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem zu nennen. Beide Krankheitsbilder sind dadurch gekennzeichnet, dass vor allem die Ausatmung (Exspiration) behindert ist. Umgangssprachliche Bezeichnungen sind „Raucherlunge“ für die COPD und „Raucherhusten“ für das Hauptsymptom.

Schätzungen von Experten gehen davon aus, dass in Deutschland drei bis fünf Millionen Menschen an einer COPD erkrankt sind. Man kann also von einer Volkskrankheit sprechen.

Der Großteil aller COPD-Patienten sind Raucher, ehemalige Raucher oder aber dem Passivrauchen ausgesetzte Menschen. Die wichtigsten Symptome der Krankheit sind Auswurf, Husten und Atemnot.

Das Behandlungsziel bei COPD besteht vor allem darin, das Fortschreiten der Erkrankung zu mindern oder aufzuhalten sowie die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Voraussetzung jeder sinnvollen Behandlung ist, zunächst schädigende Einflüsse auszuschalten. Raucher müssen das Rauchen aufgeben, auch Passivrauchen ist zu vermeiden. (bsc)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.