Peter-Mlodoch-Kolumne: Das Privatleben der Landtagsabgeordneten

Unser Korrespondent in Hannover: Peter Mlodoch. Foto: nh

Hannover. Unser Korrespondent hat in dieser Woche wieder genau hingeschaut und zugehört. Das Bemerkenswerte aus der Woche in Hannover:

Neue Erkenntnisse

Neue Erkenntnisse über die niedersächsische Polit-Prominenz lieferte eine Aktion der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Soziokultur. Das Bündnis von fast 100 kulturellen Zentren und Vereinen hatte vor dem Landtag ein mobiles Studio aufgebaut; dort gaben dann Abgeordnete, Minister und Behördenmitarbeiter vor laufender Videokamera mehr oder weniger freimütig Auskunft über „Mein erstes Mal“.

Um ganz intime Dinge ging es dabei freilich nicht, lustige und interessante Geschichten kamen trotzdem heraus. Etwa die, dass die Eltern von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) daheim im Emsland eine Dorfkneipe führten. Hoch her ging es dort früher, so wetterte 1961 ein Bauer vehement gegen die Einführung von Müllgebühren. Für den damals neunjährigen Bernd „mein erster Bürgerprotest“ – und Anstoß für die spätere Karriere in der Landespolitik. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) berichtete über seine erste Seefahrt bei der Marine, Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) über ihr Lampenfieber beim ersten Interview.

Die FDP-Abgeordnete Almuth von Below-Neufeldt nannte „Gewitter“ als Stichwort: Als elfjährige Schülerin sollte sie ihr erstes Referat halten – und patzte gleich im ersten Satz: „Ich halte heute für Euch ein Gewitter.“ Nach dem Gelächter der Klasse konnte das arme Mädchen nicht mehr weitermachen.

Neue Werbebotschaft

Die neue Werbebotschaft „Niedersachsen. Klar.“ sorgte im Plenum für gehörige Aufregung. So benutzten etliche Redner das Wörtchen „klar“ ungewöhnlich betont und oft. Es gebe nur einen einzigen im Parlament, der den Spruch wirklich gut finden könne, spottete FDP-Mann Jan-Christoph Oetjen: „Das ist Vizepräsident Karl-Heinz Klare.“ Doch der CDU-Kollege winkte ab: „Die rot-grüne Landesregierung hat einen wichtigen Buchstaben vergessen, ich verlange Schadensersatz.“

Redezeit im Parlament

Im Parlament gelten strikte Zeitvorgaben für die Redezeiten, manchmal teilen die Fraktionen ihr Kontingent daher auf mehrere Sprecher auf. So hatte in der Debatte um Flüchtlingskosten zunächst CDU-Finanzexperte Reinhold Hilbers das Wort, später meldete sich dann noch sein Parteifreund Adrian Mohr: „Mein Kollege Hilbers hatte mir zugesagt, dass er mit drei bis vier Minuten überlassen wird. Ich darf zu meinem Erstaunen festhalten, dass er das auch getan hat“, leitete Mohr unter Gelächter des gesamten Hauses seinen Beitrag ein.

Diese Steilvorlage wiederum ließ sich SPD-Finanzminister Peter-Jürgen Schneider nicht entgehen. Die Oppositionskritik verfange nicht, rief er Hilbers entgegen. „Ihnen hat es sogar die Sprache verschlagen; denn sonst hätte der arme Herr Mohr ja nichts mehr sagen können.“

Alarm in Pressekonferenz

Mitten in die Pressekonferenz der Grünen-Landtagsfraktion platzte ein Feueralarm – still und leise per Kurzbotschaft auf das Handy von Fraktionschefin Anja Piel. Man möge sofort das Parlamentsnebengebäude verlassen, stand dort als Anordnung der Feuerwehr zu lesen. Abgeordnete, Mitarbeiter und Journalisten folgten brav, nach einigen Minuten kam aber bereits die Entwarnung. Bauarbeiten in einem abgelegenen Trakt hatten erneut eine falsche Brandmeldung ausgelöst.

Den Verdacht, die Grünen hätten das Ganze inszeniert, um keine unangenehmen Fragen zum schlechten Abschneiden bei den Kommunalwahlen oder zum Verfassungsschutz mehr beantworten zu müssen, wies Piel sofort durch Wort und Tat zurück: Tapfer stellte sie sich draußen weiter den Reporterfragen. (ymp)

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