Premiere von Jakes Frauen: Beziehungsprobleme auf der Bühne

„Jakes Frauen“ im Theater im OP: Marie Piepenbrink (links) als „Molly – Twen“, Nina Kieck als „Julie“ und Martin Liebetruth als „Jake“. Foto: Dirk Opitz/nh

Göttingen. Fast glaubt man nicht an das Happy End im Boulevardstück „Jakes Frauen“, das vom Göttinger Theater im OP (ThOP) jetzt vor nur mäßig gefüllten Rängen Premiere hatte.

Im wenig bekannten Stück des berühmten amerikanischen Boulevard-Routiniers Neil Simon, gerade 89 Jahre alt geworden und Autor von auch verfilmten Welt-Erfolgen wie „Barfuß im Park“ und „Ein seltsames Paar“, werden wir im Laufe von zweieinhalb Stunden Zeugen eines turbulenten und schmerzhaften Psychogramms des 53-jährigen Schriftstellers Jake.

Jakes Beziehungsprobleme rühren daher, dass er überheblich sei, Angst vor Nähe habe und nicht zuhören könne. Das stellen die Frauen in seinem Leben fest: Seine Schwester Karen, seine Tochter Molly, seine verstorbene Frau Julie, seine Analytikerin Edith, seine Geliebte Sheila und nicht zuletzt seine jetzige Frau Maggie.

Flucht vor der Realität

Jake wird sich langsam bewusst, woher seine Probleme kommen: Er hat in jungen Jahren das Vertrauen in seine Mutter und in seinen Vater verloren. Nur zu gerne flieht er vor der Realität in seine erdachten Welten.

Das Stück wechselt, durch die Farbe des Bühnenlichts verdeutlicht, zwischen realen und von Jake erdachten Situationen. Pikant dabei sind vor allem die Sequenzen, wo Jake seine Frauen ihn selbst kritisieren lässt. Als aber seine Frauen, die lebenden und die verstorbene, beginnen, ungebeten in seinen Gedanken und Texten aufzutauchen und ein Eigenleben entwickeln, merkt er endlich die drohende Gefahr einer dauerhaften Lebensunfähigkeit und Vereinsamung. Buchstäblich in letzter Minute überzeugt er Maggie, die ein halbes Jahr Auszeit genommen hatte, von seiner Wandlung, und sie beschließen, ihre Ehe fortzusetzen.

Das ernste Thema wird mit viel Wortwitz, Sarkasmen und Lebensweisheiten gewürzt. „Man muss keine Fehler machen, um sich schuldig zu fühlen.“ „Mein Gehirn hat seinen eigenen Kopf.“ „Warum lasse ich Karen mich auf die Nerven gehen?“ Karen wiederum mault in seinen Gedanken: „Dieses Kleid! Das bin nicht ich. Solche Fummel zieht eine Bette Midler an.“

Die Amateur-Darsteller machen ihre Sache sehr gut, und es ist beachtlich, dass ein so wortreiches Stück ohne Souffleuse auskommt. Die Mammut-Rolle des Jake verkörpert glaubhaft Martin Liebetruth. Die weiteren Akteure sind, in alphabetischer Reihung: Anika Bittner (Sheila), Inka Gerhardt (Edith), Monika Giro (Maggie), Dominique Jahn (Molly mit zwölf Jahren), Nina Kieck (Julie), Anja Kütemeyer (Jakes Mutter, als Stimme aus dem Off), Marie Piepenbrink (Molly mit 21) und Dominique Schlaak (Karen).

Team mit 20 Personen

Regie führte Klaus-Ingo Pißowotzki, das Lichtkonzept stammte von Christin Schmidt. Das technische Team bestand aus fast 20 Personen.

Hat das Auseinandernehmen von Problemen eines Mittfünfzigers für junge Leute überhaupt Relevanz? „Auf jeden Fall“, meinte nach der gelungenen Premiere ein begeistertes junges Paar, das in dem Stück Beispiele von Beziehungs- und Lebensproblemen sah, von denen man etwas lernen könne.

Weitere Aufführungen bis zum 23. Juli

Es gibt bis zum 23. Juli etliche Aufführungen. Beginn ist jeweils um 20.15 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr.

Karten sind zum Preis von neun Euro (ermäßigt sechs Euro) erhältlich. Vorverkauf ist von Montag bis Samstag zwischen 12 und 14 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude und zwischen 10 und 18 Uhr im Alten Rathaus am Markt 9.

www.thop.uni-goettingen.de

Von Anne-Lise Eriksen

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