150 Kindergarten- und Grundschulkinder demonstrierten gegen Atomkraft

Protestzug mit Bobby-Cars

„Wir machen Strom ohne Atom“: Viel Musik mit selbst getexteten Liedern begleitete den Protestzug der jüngsten Demonstranten, die Göttingen je gesehen haben dürfte. Foto:  Rink/pid

Göttingen. Eine ungewöhnliche Anti-Atom-Kundgebung hat gestern in Göttingen stattgefunden: Rund 150 Kleinkinder bewegten sich in einem Demonstrationszug auf Bobby-Cars, Rollern und Tret-Treckern durch die Göttinger Innenstadt.

Manche hatten an ihre Fahrzeuge gelb bemalte Konservendosen angehängt, die wie Mini-Atommüll-Fässer aussahen. Andere Kinder trugen kleine Transparente, die mit den Symbolen der Atomkraftgegner bemalt war. Zu der Demonstration hatten Erzieher und Eltern des Göttinger „Kindergarten aus Eigeninitiative“ aufgerufen.

Die Initiatoren begründeten ihre Aktion damit, dass Eltern und Erzieher wegen der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke und der Castor-Transporte besorgt seien. Das Thema beschäftige und ängstige auch viele Kinder. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, „positive Impulse“ zu setzen und Kindern und Eltern „die Möglichkeit zu kreativer und kindgemäßer Aktion zu geben.“

Zu Beginn gab es eine Kundgebung mit viel Musik und selbst getexteten Liedern vor dem Neuen Rathaus. Eine der Initiatorinnen erinnerte in ihrer Ansprache an die Folgen des Reaktorunglücks in Tschernobyl. Wegen der radioaktiven Versuchung hätten damals Kinder keine Milch trinken und nicht im Sandkasten spielen können.

Windräder vor Rathaus

Statt die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, müssten diese abgeschaltet und die Versorgung auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Der Kindergarten hält Anteile an einem Windrad bei Diemarden.

Die Erzieher hatten zur Vorbereitung auf die Demonstration mit den Kindern Windräder gebastelt, die sie in den Rasen vor dem Neuen Rathaus steckten. Auch ein Anti-Atom-Kinderlied hatten sie eingeübt: „Komm, stell dich mal mit mir in den Wind“ und „Wir machen Strom ohne Atom, denn das gefällt ja jedem Kind“, sangen die jungen Demonstranten.

Anschließend rollten die Kinder mit ihren kleinen Treckern und sonstigen Fahrzeugen hinter einem großen Trecker durch die Innenstadt zum Alten Rathaus. Manche Kinderfahrzeuge waren mit Anti-Atom-Aufklebern versehen, aber auch Polizei-Bobby-Cars waren vertreten. Zu größeren Zusammenstößen kam es dabei nicht.

Von Heidi Niemann

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