Universität Göttingen eröffnet „Raum der Stille“ im Mehrzweckgebäude „Blauer Turm“

Raum für Einkehr und Gebete

Ein Ort zum Beten und Innehalten: Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne (links), Vizepräsidentin der Universität für Internationales, sprach zur Eröffnung des „Raumes der Stille“. Foto: Tiede

Göttingen. Mit einem „Raum der Stille“ hat die Universität Göttingen Studenten und Beschäftigten einen Ort der Einkehr und des Gebets geschaffen. Am Donnerstag wurde das Gemeinschaftsprojekt mehrerer Religionen auf dem Zentralcampus eröffnet.

„Hell und einfach eine angenehme Atmosphäre.“ Aysche Büyük zeigt sich spontan begeistert von dem rund 60 Quadratmeter großen „Raum der Stille“. Seit drei Jahren studiert die Türkin in Göttingen Volkswirtschaftslehre. Für die Muslima ist es ein großer Gewinn, mitten auf dem Campus eine Möglichkeit zum Gebet und zur Einkehr zu haben. Die 25-Jährige ist überzeugt, dass der Raum im „Blauen Turm“ neben Mensa und Hörsaalgebäude von vielen in Anspruch genommen wird: „Genau so etwas hat an der Uni bisher gefehlt.“

Das Raumkonzept hatte das Göttinger Architekturbüros simPLUS erarbeitet. Neben der Uni waren auch die Evangelische Studierenden- und Hochschulgemeinde, die Katholischen Hochschulgemeinde, die Evangelisch-Reformierte Gemeinde, die Liberale Jüdische Gemeinde Göttingen und die Türkisch-Islamische Gemeinde beteiligt.

Die Kosten von rund 60.000  Euro sieht Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin der Universität, gut investiert: „Unsere Hochschule ist von Diversität geprägt, wir haben zwölf Prozent ausländische Studierende, viele Religionen und Kulturen“.

Keine religiösen Symbole

Ein reiner Gebetsraum soll der Ort nicht werden. Die Planer hätten bewusst auf religiöse Symbole verzichtet. „Der Raum soll zum Beten, zum Meditieren oder einfach zum Innehalten einladen“, so Casper-Hehne. Daher kann er nur maximal eine Stunde pro Tag von Gruppen genutzt werden. In der übrigen Zeit steht er allen Studenten und Beschäftigten offen.

Der Wunsch nach Neutralität ist dem Raum deutlich anzumerken. Ein durchgehender heller Teppichboden und viel Filz an den Wänden sorgen für eine behagliche Atmosphäre. Eine stilisierte Kompassrose am Boden zeigt Muslimen dezent die Richtung für ihre Gebete. An einer langen konkaven Trennwand ist eine Sitzreihe angebracht. Der helle Vorhangstoff kann als zusätzlicher Raumteiler genutzt werden. Im Vorraum finden sich neben einer Garderobe große Schränke mit Gebetsteppichen sowie heilige Schriften vieler Glaubensrichtungen.

„Ein spannendes Projekt“, nennt Jacqueline Jürgenliemk den Raum. Die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Göttingen ist nicht sicher, ob die Begegnungen der Religionen und Kulturen immer nur harmonisch verlaufen werden. „Es wird sicherlich Diskussionen geben, die aber auch viel Gutes haben“, sagte Jürgenliemk.

Diskussionsstoff bot bereits die Eröffnung: Die Frage, ob der Raum auch mit Schuhen betreten werden kann, ist noch nicht geklärt.

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