Ermittlung gegen GfbV-Vereinsgründer Tilman Zülch wegen Untreue

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    • 29.02.12
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Ermittlung gegen GfbV-Vereinsgründer Tilman Zülch wegen Untreue

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Göttingen. Bislang ist die internationale Menschenrechtsorganisation „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV) in Göttingen vor allem mit einem Namen verbunden: Tilman Zülch. Der heute 72-Jährige hatte 1968 die Aktion Biafrahilfe ins Leben gerufen, aus der später die GfbV hervorging.

© dpa

Öffentlichkeitswirksam: Mit Aktionen wie im Sommer 2008 vor dem Brandenburger Tor in Berlin macht die Gesellschaft für bedrohte Völker immer wieder auf Missstände bei Menschenrechten aufmerksam. Jetzt gibt es Unstimmigkeiten im Verein selbst.

Seitdem hat Zülch den Verein geprägt. Sowohl bei öffentlichen Auftritten als auch im Büro der Gesellschaft in Göttingen war er jahrzehntelang die bestimmende Kraft. Seitdem im Herbst 2010 ein neuer Bundesvorstand gewählt wurde, tobt allerdings ein Machtkampf. Zülch erhielt als Generalsekretär eine fristlose Kündigung und sieht sich auch noch einem Strafverfahren ausgesetzt.

Gehalt für Ehrenamt?

© dpaTilman Zülch.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen ermittelt gegen den 72-Jährigen wegen des Verdachts der Untreue. Auslöser der Ermittlungen sei eine Strafanzeige, sagte Sprecher Frank-Michael Laue. Dem Beschuldigten werde vorgeworfen, sich zu Lasten des Vereinsvermögens um etwa 70.000 Euro bereichert zu haben. Außerdem soll er Vereinsgelder dritten Personen zukommen gelassen haben.

Begonnen haben die internen Querelen nach der Mitgliederversammlung im Oktober 2010. Damals war der Freiburger Rechtsanwalt Harald Klein zum Bundesvorsitzenden gewählt worden, Stellvertreter wurde James Albert. Tilman Zülch hatte nicht mehr für den Vorstand kandidiert, fungierte aber weiter als Generalsekretär. Nach Angaben der beiden Vorstandsmitglieder hatten Wirtschaftsprüfer bereits im Sommer 2010 Gehaltszahlungen moniert, die Zülch während seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Vorstand bezogen habe. Problematisch seien auch Zahlungen an ein GfbV-Büro in Bosnien-Herzegowina.

GfbV spricht von Racheakt

Im vergangenen Herbst erhielt Zülch eine so genannte verhaltensbedingte außerordentliche Kündigung. Dagegen hat er Klage beim Arbeitsgericht Göttingen erhoben. Dort ist noch eine weitere Klage anhängig. Der Verein fordert die Rückzahlung des Geldes. Das Gericht wird voraussichtlich im Mai über die beiden Klagen verhandeln.

Das GfbV-Pressereferat ließ inzwischen verlauten, von Ermittlungen gegen Zülch sei nichts bekannt. Die „falschen Behauptungen“ seien ein „Racheakt von vor wenigen Monaten abgewählten Mitgliedern des Vorstands“.

Tatsächlich ist jedoch strittig, ob diese Versammlung, die im November 2011 stattfand, rechtmäßig zustande gekommen ist. Laut Satzung sind Mitgliederversammlungen vom Vorstand einzuberufen. Der Bundesvorsitzende Klein und sein Stellvertreter Albert hatten kurz zuvor eine einstweilige Verfügung beantragt, um die Versammlung zu verhindern. Diesen Antrag hatte das Amtsgericht Göttingen jedoch abgelehnt. Dagegen läuft noch eine Beschwerde vor dem Landgericht.

Das sagt die Gesellschaft für bedrohte Völker

Nach Darstellung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) haben die Wirtschaftsprüfer im Sommer 2010 keineswegs die Gehaltszahlungen an Tilman Zülch moniert. Vielmehr hätten die Wirtschaftsprüfer empfohlen, dass der Vorstand noch einmal bekräftigt, dass Tilman Zülch neben seiner hauptamtlichen bezahlten Tätigkeit als Generalsekretär ehrenamtlich bei der GfbV tätig ist, teilte die Organisation am Mittwoch mit. Diese Erlaubnis sei ihm im Jahr 2001 ausdrücklich in seinem Arbeitsvertrag als Generalsekretär erteilt worden.

Die Zahlungen an das GbfV-Büro in Bosnien seien von Wirtschaftsprüfer und Finanzamt geprüft und nicht beanstandet worden, heißt es in der Stellungnahme weiter. Die GfbV legt Wert auf die Feststellung, dass zwar die beiden Mitglieder des alten Vorstands, Harald Klein und James Albert, Zülch fristlos gekündigt haben. Die beiden anderen Mitglieder des alten sowie des neuen Vorstands, Maria Sido und Irina Wießner, hätten diese Kündigung, zu der sie zu keiner Zeit befragt worden seien, sofort widerrufen und dem Anwalt das Mandat entzogen. Tilman Zülch sei somit nahtlos weiterbeschäftigt worden. (coe)

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