Rosetta findet organischen Staub aus der Urzeit des Sonnensystems

Entdecker: Die Raumsonde Rosetta, hier bei einer simulierten Annäherung an den Kometen 67P/Churjumow-Gerassimenko, hat Staub mit organischen Partikeln aus der Ur-Zeit unseres Sonnensystems entdeckt. Foto: ESA/nh

Göttingen. Die an der Raumsondenmission „Rosetta“ der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA beteiligten Forscher haben ein wichtiges, hochgestecktes Ziel erreicht: Rosetta hat uralte Staubpartikel empfangen und analysiert, die aus der Entstehungsphase unseres Sonnensystems stammen.

„Der Staub des Kometen 67P enthält das nach unserem heutigen Kenntnisstand am wenigsten veränderte Material aus der Entstehungsphase unseres Sonnensystems“, fasst Harald Krüger vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen den spektakulären Fund zusammen.

Rosetta gelang damit erstmals der Nachweis von komplexen, kohlenstoffhaltigen organischen Molekülen im Staub von „Tschuri“.

Organische Substanzen hatte der lange vermisste und am Sonntag wiederentdeckte Lander „Philae“ bei Experimenten nach der Landung nahe der Kometenoberfläche ermittelt, ebenso ein Instrument an Bord der in einer Umlaufbahn kreisenden Sonde Rosetta.

Der Fund des ältesten organischen Materials aus dem Sonnensystem bestätigt auch das Zutreffen von Hinweisen auf diese Stoffe aus anderen Weltraumsondenmissionen.

Das ermittelte „Tschuri“-Staubmaterial zeigt große Ähnlichkeiten mit dem organischen Material in den ursprünglichsten Meteoriten, den kohligen Chondriten, in den Kometen wurde es jedoch weniger stark verändert.

„Unsere Analyse zeigt den Kohlenstoff in einer weitaus komplexeren Form als wir erwartet hatten“, sagt Dr. Hervé Cottin vom Institut Pierre Simon Laplace an der Universität Diderot in Paris, einer der Autoren der Veröffentlichung, die heute in der Fachzeitschrift „Nature“ erscheint

Meteorite haben ihren Ursprung im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Auf Grund der Erwärmung durch die Sonne haben sie ihren Wasserstoff weitgehend verloren. Die Kometen wurden dagegen nie stark erwärmt und konnten daher ihren Wasserstoff seit ihrer Entstehung behalten. Deshalb enthalten sie ursprünglicheres, weniger verändertes Material als die Meteorite.

Zum Verfahren: Staubteilchen werden in großen Mengen von Kometen durch ihre Aktivität in der Nähe der Sonne freigesetzt. Das COSIMA-Instrument – das steht für „Cometary Secondary Ion Mass Analyzer“ – an Bord der Rosetta-Sonde sammelt vom Kometen „67P/Churyumov-Gerasimenko“ freigesetzte Staubteilchen mit eigens für diesen Zweck entwickelten Metallplättchen in der Umgebung des Kometen auf. Die gesammelten Teilchen werden anschließend mit einer Kamera fotografiert und ihre Zusammensetzung mit einem Sekundärionen-Massenspektrometer analysiert.

Ein Recycling besonderer Art findet am 30. September statt: Die Rosetta-Sonde wird dann auf dem Kometen 67P landen, wodurch auch die hier gezeigten und untersuchten Staubkörner wieder zum Kometen zurückkehren werden. (tko)

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