Göttinger Forscher entwickeln neue Behandlungsmethode bei Herzflimmern

Schonender fürs Herz

Entwickelten Defibrillator der neuen Generation: (von links) Prof. Dr. Stefan Luther (von links), Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz, Prof. Dr. Markus Zabel und Prof. Dr. Gerd Hasenfuß stellten das neue Verfahren vor. Foto:  Nalazek

Göttingen. In Deutschland sterben jährlich etwa 300 000 Menschen am plötzlichen Herztod, rund eine Million Menschen leiden unter Vorhofflimmern. Forscher des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen haben nun gemeinsam mit Forschern der amerikanischen Cornell University und des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen ein neues Verfahren zur Behandlung von Herzflimmern entwickelt.

Herz aus dem Takt

Bei Herzrhythmusstörungen wie Vorhof- oder Kammerflimmern gerät das Herz aus dem Takt. Mit der sogenannten Defibrillation kann diese Unregelmäßigkeit korrigiert werden: Hierbei wird das Herz durch einen elektrischen Schock für kurze Zeit lahmgelegt, die unregelmäßigen Kontraktionen, die im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen können, werden damit unterbrochen - ähnlich funktioniert der Neustart eines Computers.

Nach dem Stromstoß von bis zu 1000 Volt schlägt das Organ wieder in seinem gesunden Rhythmus. Wegen der starken Schmerzen ist eine solche Behandlung jedoch meist nur unter Narkose oder bei Bewusstlosigkeit möglich. Bei dem neuen Verfahren werden statt eines einzelnen starken Stromstoßes fünf schwächere elektrische Signale im Herz erzeugt, die den unregelmäßigen Puls Schritt für Schritt beheben. Die neue Niedrig-Energie-Defibrillation löst völlig andere Prozesse im Herz aus als die bisherige Methode und kommt mit 84 Prozent weniger Energie aus.

Damit ist die Behandlung wesentlich schonender, die Schmerzen durch die schwachen Stromstöße sind geringer. Für Patienten mit implantierten Defibrillatoren bedeutet der niedrige Energieverbrauch außerdem eine längere Lebensdauer der Geräte und damit geringere Kosten.

Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender des Heart Research Center Göttingen, bezeichnet die neue Technik als bahnbrechend. Sollten weitere Versuchsreihen erfolgreich verlaufen, könnte das Produkt in drei bis fünf Jahren in den Kliniken verfügbar sein.

Von Sarah Nalazek

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