Senioren: Göttinger Polizei wirbt für Umstieg auf Bahnen

Fahrendes Klassenzimmer: Aufmerksam lauschen die Göttinger Landfrauen den Informationen von Polizeioberkommissar Detlef Lenger. Auch Personenbeschreibungen werden geübt. Foto: Voß

Göttingen. Immer mehr Senioren werden auf den Straßen in Südniedersachsen in Verkehrsunfälle verwickelt. Dies geht aus den Statistiken der Polizeiinspektion Göttingen hervor. Mit der Polizei-Präventionsaktion „Umsteigen! Tasche zu und Augen auf!“ soll dieser Entwicklung entgegen gewirkt werden.

2015 wurden im Landkreis Göttingen insgesamt 206 Senioren bei Unfällen schwer verletzt und 21 getötet. In 97 Fällen waren Senioren für die Unfälle verantwortlich. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Zahl der Verunfallten mit Seniorenbeteiligung um 20,74 Prozent. 2014 waren elf Senioren im Straßenverkehr gestorben und 177 waren bei Unfällen schwer verletzt worden.

Nach Einschätzung von Jörg Arnecke, Verkehrssicherheitsberater der Göttinger Polizei, ist die Gruppe der Autofahrer über 65 Jahren damit ebenso als Risikogruppe einzustufen, wie die der ganz jungen Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren. In dieser Altersgruppe waren 179 Personen im vergangenen schwer verunglückt und sieben getötet worden.

Insgesamt verzeichneten die Göttinger Beamten im Jahr 2015 32 929 Verkehrsunfälle, bei denen 74 Menschen starben und 1040 schwere Verletzungen erlitten.

Während es bei jungen Fahrern oft der Blick aufs Handy sei, machen die Beamten bei Senioren Medikamente und altersbedingte Einschränkungen der Wahrnehmungs- und Leistungsfähigkeit für Zusammenstöße im Straßenverkehr verantwortlich.

Um die Unfallzahlen in der Generation 65 plus zu senken, entwickelte die Polizei Göttingen mit der Bundespolizeiinspektion Hannover das Präventionsprogramm „Umsteigen! Tasche zu und Augen auf“. In Zusammenarbeit mit der Nordwestbahn wollen die Beamten ältere Fahrerinnen und Fahrer zum Verzicht auf das eigene Auto und zum Umsteigen auf Bahnen und Busse ermuntern. Zu dem Thema werden auch Kurse angeboten.

Fahrendes Klassenzimmer

20 Göttinger Landfrauen waren bei einem solchem Kurs dabei: Was hat es mit den geriffelten Steinen an den Bahnsteigkanten auf sich, wie funktionieren die blau-roten Metallsäulen an den Gleisen und welchen Schutz gibt es vor Taschendieben und allzu aufdringlichen Fahrgästen? Diese und alle weiteren Besonderheiten rund um das Thema Reisen mit der Bahn sind für die Göttingerinnen nun kein Geheimnis mehr.

Eingeweiht in die Welt der öffentlichen Verkehrsmittel wurden sie bei einer Fahrt entlang der Weser im „fahrenden Klassenzimmer“ von Detlef Lenger, Polizeioberkommissar bei der Bundespolizei Hannover, und Jörg Arnecke, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Göttingen. Seit Mai wollen die beiden engagierten Beamten interessierten Senioren die Angst vor der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel nehmen und ihnen eine Alternative zum Auto vorstellen. Hierzu haben sie das Präventionsprogramm „Umsteigen! Tasche zu, Augen auf!“ entwickelt.

Bahnfahren ist einfach

„Eine tolle Sache“, ist Landfrau Brigitte Meyer begeistert, „man fährt nicht nur durch eine wunderschöne Landschaft, sondern lernt auch gleich, wie einfach das Bahnfahren eigentlich ist.“ Eine Erkenntnis, der Detlef Lenger nur zustimmen kann: „Gerade ältere Menschen entwickeln leicht Ängste vor den modernen Zügen und nutzen aus Angst, sich zu blamieren, auch im hohen Alter das eigene Auto, obwohl es vielleicht besser wäre, es stehen zu lassen.“

Aktiv bis ins hohe Alter

Gerade, weil es sich bei den heutigen Senioren um eine Generation handele, die bis ins hohe Alter aktiv sein wolle, sei es für diese Gruppe vorteilhaft, frühzeitig alternative Transportmittel kennenzulernen, ist Jörg Arnecke überzeugt. „Wir wollen mit unserem Angebot niemanden verbieten, Auto zu fahren“, stellt er klar, „Aber wenn wir erreichen, dass sich Senioren nicht mehr unsicher im Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln fühlen, haben wir schon viel erreicht.“

Unterstützt werden die Beamten von der Nordwestbahn, die die Fahrten in den Regionalzügen für alle Teilnehmer kostenfrei anbietet. (clv)

Informationen zum Präventionsprogramm gibt es bei Jörg Arnecke unter 0551/491- 23 08 und Detlef Langer 05121/74 58 95 10 30

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.