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Ex-Freundin und Kind niedergestochen: Serbe soll acht Jahre in Haft

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Göttingen. Ein 22-jähriger Serbe, der im Juni 2009 in Göttingen seine 24-jährige Ex-Freundin und deren sechsjährigen Sohn mit einem Küchenmesser niedergestochen hatte, soll zu einer Jugendstrafe von acht Jahren verurteilt werden.

Das hat am Dienstag die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Göttingen gefordert. Der Antrag liegt deutlich unter dem Strafmaß, das die Richter im ersten Prozess verhängt hatten.

Im Juni 2011 hatte eine andere Kammer des Landgerichts den Angeklagten wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlages zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil aufgehoben, weil bei der Attacke gegen das Kind das Mordmerkmal der Heimtücke nicht nachgewiesen sei. Die Straftat sei daher als versuchter Totschlag zu werten. Als Folge der BGH-Entscheidung musste der Prozess neu aufgerollt werden.

Anders als im ersten Prozess beantragte die Staatsanwaltschaft, den Angeklagten nach Jugendstrafrecht und nicht nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen. Wegen der langen Verfahrensdauer sollten sechs Monate als verbüßt gelten, außerdem sei die Untersuchungshaft in Mazedonien im Verhältnis 1:2 anzurechnen. Die Verteidigung beantragte nach Angaben eines Gerichtssprechers eine Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren.

Der Prozess fand weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte zur Tatzeit 20 Jahre alt war und damit juristisch als Heranwachsender gilt. Das Gericht will sein Urteil am kommenden Montag verkünden, dann ist die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

Der 23-Jährige hatte im Verlauf eines Streits seine Ex-Freundin und deren Kind so schwer verletzt, dass sie nur durch eine Notoperation gerettet werden konnten. Er hatte allein siebenmal auf die Mutter eingestochen, drei Stiche trafen die Lunge. Noch gravierender waren die Verletzungen des Kindes: Ein Stich durchtrennte sein Rückenmark, so dass der Junge seitdem querschnittsgelähmt ist. In Folge der lebensbedrohlichen Verletzungen erlitt er zudem einen Hirninfarkt. Außerdem leidet er an einer Blasen- und Mastdarmstörung, seine Lebenserwartung ist verkürzt.

Unmittelbar nach der Tat hatte sich der Angeklagte nach Mazedonien abgesetzt, wo ihn später Zielfahnder aufspürten. Dort saß er mehrere Monate in Haft, ehe er nach Deutschland ausgeliefert wurde. (pid)

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