Sinn oder Unsinn? Umweltzone in Hannover soll bleiben

Schilder weisen auf die Umweltzonen hin: In Hannover stehen die Schilder an Einfahrtstraßen zur Innenstadt. Foto: dpa

Göttingen/Hannover. Mehr als 10.000 Autofahrer erhielten im vergangenen Jahr in Hannover ein Bußgeld aufgebrummt, weil sie ohne grüne Plakette in der Umweltzone der City unterwegs waren. Die FDP bezeichnet die Umweltzone samt Bußgeld-Kassieren als Abzocke.Diesen Abstecher nach Hannover werden die holländische Mutter und ihre erwachsene Tochter so schnell nicht vergessen. Auf einen Cappuccino waren die beiden Frauen im Januar in die City gefahren. Als sie danach zu ihrem Kleinwagen zurückkehrten, prangte an der Windschutzscheibe ein Strafzettel über 80 Euro – weil die grüne Plakette für die seit 2008 in Hannover geltende Umweltzone fehlte. „Das war der teuerste Kaffee unseres Lebens“, ärgerten sich die Besucherinnen. „Wie sollten wir denn wissen, dass man so etwas hier braucht.“ In Hamburg und Kiel, wo die Frauen vorher mit ihrem Auto waren, ginge es doch auch ohne.Kein Einzelfall: 10.514 Plakettensünder bekamen 2015 in Hannover ein Bußgeld aufgebrummt; 2014 traf es sogar 13.700. In Bremen erwischte es 9880 Autofahrer (8321). Eine mittlere sechsstellige Euro-Summe dürfte so für beide Metropolen herausgesprungen sein. „Die Umweltzone ist eine reine Abzockzone für Autofahrer“, kritisiert denn auch Niedersachsens FDP-Fraktionsvize Jörg Bode. Sie spüle eine Menge Geld in die Stadtkassen, sorge aber so gut wie gar nicht für bessere Luft.“Wirklich helfen würden intelligente Ampelschaltungen, verbessertes Baustellenmanagement, mehr Kreisverkehre und attraktivere Park-and-Ride-Angebote, meint der frühere Verkehrsminister. „Aber die Hand aufhalten und kassieren ist natürlich einfacher.“Auch der ADAC hält von wenig von Fahreinschränkungen und Verboten. „Umweltzonen lösen nicht das eigentliche Problem der hohen Stickoxidbelastung in den Innenstädten“, sagt Sprecherin Christine Rettig. Doch die Städte denken überhaupt nicht daran, die Umweltzonen wieder abzuschaffen. „Sie leisten einen hervorragenden Dienst für die Gesundheit unserer Bürger“, betont Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Umweltsenators Joachim Lohse (Grüne). Auch wenn sich die Situation beim Feinstaub im Norden etwas entspannt habe, gebe es keine Veranlassung, etwas zu ändern, meint Dennis Dix von der Stadt Hannover.Dass der Messestandort mit der harten Haltung seine internationalen Gäste vergrault, glaubt Dix nicht. „Es ist zu beobachten, dass auf vielen Fahrzeugen insbesondere aus den Nachbarländern Dänemark, Niederlande und Polen die deutsche Umweltplakette aufgeklebt ist.“ Viele erwischte Sünder aus dem Ausland würden das Knöllchen sofort selbst oder durch ihre deutschen Gastgeber bezahlen. Das Eintreiben im Ausland aber ist aufwändig und teuer.Von Peter MlodochSchilder weisen auf die Umweltzonen hin: In Hannover stehen die Schilder an Einfahrtstraßen zur Innenstadt. Foto: dpa

Göttingen/Hannover. Mehr als 10.000 Autofahrer erhielten im vergangenen Jahr in Hannover ein Bußgeld aufgebrummt, weil sie ohne grüne Plakette in der Umweltzone der City unterwegs waren. Die FDP bezeichnet die Umweltzone samt Bußgeld-Kassieren als Abzocke.

Diesen Abstecher nach Hannover werden die holländische Mutter und ihre erwachsene Tochter so schnell nicht vergessen. Auf einen Cappuccino waren die beiden Frauen im Januar in die City gefahren. Als sie danach zu ihrem Kleinwagen zurückkehrten, prangte an der Windschutzscheibe ein Strafzettel über 80 Euro – weil die grüne Plakette für die seit 2008 in Hannover geltende Umweltzone fehlte. „Das war der teuerste Kaffee unseres Lebens“, ärgerten sich die Besucherinnen. „Wie sollten wir denn wissen, dass man so etwas hier braucht.“ In Hamburg und Kiel, wo die Frauen vorher mit ihrem Auto waren, ginge es doch auch ohne.

Kein Einzelfall: 10.514 Plakettensünder bekamen 2015 in Hannover ein Bußgeld aufgebrummt; 2014 traf es sogar 13.700. In Bremen erwischte es 9880 Autofahrer (8321). Eine mittlere sechsstellige Euro-Summe dürfte so für beide Metropolen herausgesprungen sein.

„Die Umweltzone ist eine reine Abzockzone für Autofahrer“, kritisiert denn auch Niedersachsens FDP-Fraktionsvize Jörg Bode. Sie spüle eine Menge Geld in die Stadtkassen, sorge aber so gut wie gar nicht für bessere Luft.“

Wirklich helfen würden intelligente Ampelschaltungen, verbessertes Baustellenmanagement, mehr Kreisverkehre und attraktivere Park-and-Ride-Angebote, meint der frühere Verkehrsminister. „Aber die Hand aufhalten und kassieren ist natürlich einfacher.“

Auch der ADAC hält von wenig von Fahreinschränkungen und Verboten. „Umweltzonen lösen nicht das eigentliche Problem der hohen Stickoxidbelastung in den Innenstädten“, sagt Sprecherin Christine Rettig.

Doch die Städte denken überhaupt nicht daran, die Umweltzonen wieder abzuschaffen. „Sie leisten einen hervorragenden Dienst für die Gesundheit unserer Bürger“, betont Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Umweltsenators Joachim Lohse (Grüne). Auch wenn sich die Situation beim Feinstaub im Norden etwas entspannt habe, gebe es keine Veranlassung, etwas zu ändern, meint Dennis Dix von der Stadt Hannover.

Dass der Messestandort mit der harten Haltung seine internationalen Gäste vergrault, glaubt Dix nicht. „Es ist zu beobachten, dass auf vielen Fahrzeugen insbesondere aus den Nachbarländern Dänemark, Niederlande und Polen die deutsche Umweltplakette aufgeklebt ist.“ Viele erwischte Sünder aus dem Ausland würden das Knöllchen sofort selbst oder durch ihre deutschen Gastgeber bezahlen. Das Eintreiben im Ausland aber ist aufwändig und teuer.

Von Peter Mlodoch

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