Stadt Göttingen weist Kritik an Flüchtlingsunterkunft Siekhöhe zurück

Blick in einen Schlafraum der Flüchtlingsunterkunft auf der Siekhöhe in Göttingen: Die Stadt hat die Vorwürfe von Asylbewerbern an der Unterbringung unter die Lupe genommen. Archivfoto: Schlegel

Göttingen. Von Bewohnern des Flüchtlingswohnheims Siekhöhe in Göttingen hatte es massive Kritik an der Gemeinschaftsunterkunft gegeben. Die Stadt weist die Vorwürfe gemeinsam mit dem Betreiber, dem Roten Kreuz, zurück. Wir erläutern, was die Verantwortlichen zu den einzelnen Vorwürfen sagen.

Nach oben offene Räume

Die nach oben offenen Räume sind laut Mitteilung der Stadt aus Gründen des Brandschutzes erforderlich, liegen also nicht im Verantwortungsbereich des Betreibers. Es ist richtig, dass die Mitarbeiter des DRK nach oben hin geschlossene Büroräume haben. Diese Einbauten waren bereits vorhanden, bevor die Stadt das Gebäude angemietet hat.

Lautstärke im Gebäude

Die Lautstärke im Haus hat laut Stadt mit dem Verhalten der Bewohner zu tun, die aufeinander Rücksicht nehmen und die Wünsche der Mitbewohner respektieren und achten müssen. Die Lärmschutzverordnungen schreiben auch für andere Bürger eine Nachtruhe ab 22 Uhr vor, deshalb gelten diese Regelungen auch in der Unterkunft. Es sei das Ziel, dass sich alle an die Regeln halten und Rücksicht aufeinander nehmen. Ruhestörungen gehen nicht vom Betreiber aus, heißt es in der Mitteilung. Aus Sicht der Stadt gibt es in der Einrichtung genügend Rückzugsmöglichkeiten.

BeschäftigungsAngebote

Die Kritik an mangelnden Beschäftigungsangeboten weisen die Betreiber ebenfalls zurück. Es gebe eine Vielzahl von Angeboten für die Flüchtlinge. Die Einrichtung verfüge über einen Fitnessraum, ein Fernsehzimmer, ein Spielzimmer für Kinder, ein Schachfeld, einen Fußball-Platz, ein Basketballfeld und einen Kinderspielplatz.

Daneben gebe es weitere Angebote, zum Beispiel Schachspiel, Fußballtraining, tägliche Deutschkurse, Alphabetisierungskurse, Näh- und Häkelkurse sowie eine Fahrradwerkstatt. Zudem sei der Betreiber bestrebt, die Angebotspalette zu erweitern. Wer nichts für sich finde, könne sich mit seinen Wünschen an das Rote Kreuz wenden. In der Anlage lebe beispielsweise ein Künstler, der demnächst - mit Hilfe des Betreibers - seine Werke ausstellen will.

Fehlende Perspektive

Dabei geht es laut Stadt wohl eher um die aufenthaltsrechtlichen Situationen der Bewohner. Man könne hier nicht von fehlender, sondern nur von einer ungewissen Perspektive reden. „Viele Bewohner nehmen ihre Zukunft selbst in die Hand, indem sie mit ihrer Integration beginnen“, heißt es. Sie gingen zum Beispiel zu den angebotenen Deutschkursen. Acht junge Leute wurden bereits in den sogenannten Sprinterklassen der BBS II aufgenommen, einigen konnte der Betreiber Praktikumsplätze vermitteln.

Rauswurf eines Trios

Es ist laut der Mitteilung richtig, dass drei junge Männer vorübergehend der Einrichtung verwiesen wurden. Vorausgegangen waren ein heftiger Streit und eine Schlägerei mit Krücken, die einen zweimaligen Personaleinsatz an dem Abend erforderlich gemacht haben.

„Siekhöhe ist Gefängnis“

In einem Gefängnis könne man nicht frei ein- und ausgehen. Bei Verdachtsmomenten habe es zum Schutz aller Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung Taschenkontrollen gegeben, so die Verwaltung. Messer, Schlagstöcke und gefährliche Glasscheiben wurden beschlagnahmt. (bsc)

Täglich gibt es reichhaltige Buffets

Von den Bewohnern des Flüchtlingsheims Siekhöhe war auch die Verpflegung bemängelt worden. Das weist die Stadt Göttingen zurück.

Die Firma Goldkorn stellt laut Mitteilung von Stadt und Rotem Kreuz täglich reichhaltige Buffets für die Versorgung mit vegetarischen Gerichten sowie Varianten bereit, die halal sind. Es gibt halal gerechte Geflügel-, Rind- und Kalbfleisch-Gerichte.

Die Firma veranstalte auch Koch-Workshops mit den Bewohnern. Dabei können landestypische Gerichte gekocht werden. Es wird laut Verwaltung eine ausgewogene, gesunde Ernährung geboten, die vor Ort frisch zubereitet wird. Jeder kann so viel essen, wie er mag.

Getränke stehen ständig zur Verfügung. Natürlich gebe es immer Personen, die an dem angebotenen Essen etwas auszusetzen hätten. Das sei allerdings kein besonderes Merkmal dieser Einrichtung, sondern überall zu beobachten. Eine individuelle, eigene Verpflegung sei in der Einrichtung nicht vorgesehen. Eine reichhaltige Auswahl an Essen, wie sie in der Einrichtung angeboten werde, könne sich ein Selbstversorger nie leisten, heißt es.

Schwangere

In der Einrichtung gebe es bisher vier Schwangere. Der stationäre Sanitätsdienst und die dort ehrenamtlich tätigen Ärzte betreuen alle Bewohner. So könnten sich auch alle Schwangeren dort Unterstützung und Beratung holen. Daneben könne jeder Flüchtling Ärzte seiner Wahl aufsuchen. Jeder erhalte gleich am Ankunftstag Krankenscheine für einen Allgemeinmediziner und einen Zahnbehandlungsschein.

Höhe des Taschengeldes

Sofort nach Ankunft in Göttingen erhalten die Flüchtlinge einen Abschlag auf das Taschengeld. Die Abschläge würden bis zur endgültigen Bearbeitung der Anträge weitergezahlt. Das heißt, sobald der Antrag auf Leistungen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz eingegangen und bearbeitet ist, erhalten alle das volle Taschengeld, teilt die Stadt mit. (bsc)

Stadt betreut derzeit 1380 Flüchtlinge

In den Unterkünften der Stadt Göttingen werden derzeit nach Angaben der Stadtverwaltung etwa 1380 Flüchtlinge betreut. Hinzu kommen etwa 80 unbegleitete und minderjährige Flüchtlinge.

In diesem Jahr sind bis Ende Juni 575 Asylbewerber nach Göttingen gekommen. Bis zum Jahresende 2016 erwartet die Stadt die Zuweisung von weiteren 800 Flüchtlingen, heißt es aus dem Rathaus. (bsc)

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