Stopp der Gewalt an Schulen

Montessori-Schule bekam Geld für Anti-Konflikt-Training

Halt! Der Zweitklässler wehrt sich, als er von dem Trainer des Fördervereins Gewaltfrei Lernen, Oliver Hennecke, angegriffen wird. Die Schüler der Montessori-Schule in Göttingen lernen so, Konflikte und Übergriffe zu verhindern. Foto: Schröter
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Halt! Der Zweitklässler wehrt sich, als er von dem Trainer des Fördervereins Gewaltfrei Lernen, Oliver Hennecke, angegriffen wird. Die Schüler der Montessori-Schule in Göttingen lernen so, Konflikte und Übergriffe zu verhindern.

Göttingen. Gewaltfrei Lernen, das ermöglicht das Anti-Konflikt-Training in mittlerweile mehr als 60 niedersächsischen Schulen – auch in der Göttinger Montessori Schule auf den Zietenterrassen.

Für das Programm hat die Schule 3300 Euro von der Sparda-Bank-Hannover-Stiftung bekommen, den Rest steuern der Förderverein und die Eltern bei.

„So, nun zeig mal, was du gelernt hast“, sagt Oliver Henneke, während er das Mädchen an den Handgelenken festhält. Die zierliche Achtjährige lässt sich nicht lange bitten: Mit einem festen Ruck befreit sie sich aus der Umklammerung. „Stopp, bleib weg von mir“, ruft die Zweitklässlerin der Montessori-Schule ihrem Widersacher entgegen. Mit festem Blick sieht sie ihm in die Augen, streckt warnend beide Handflächen nach vorne – und erntet dafür direkt von Henneke und ihren Mitschülern donnernden Applaus.

„Körperliche Übergriffe, Beleidigungen und Schikane sind auch in Grundschulen heute keine Seltenheit“, sagt Oliver Henneke vom Förderverein Gewaltfrei Lernen. „Eine positive Lernatmosphäre wird dadurch stark beeinträchtigt und macht konzentriertes Lernen unmöglich.“ Um den Grundschülern Hilfsmittel an die Hand zu geben, sich gegen verbale, aber auch körperliche Gewalt zu schützen, startem Henneke und sein aus Erziehern, Sport- und Sonderpädagogen bestehendes Team in Deutschland Anti-Konflikt-Trainings an Grundschulen und weiterführenden Schulen.

„Ich freu mich sehr, dass wir das Projekt anbieten können, weil es in den Pausen und auf dem Schulhof auch schon mal zu Streitereien kommen kann“, sagt Schulleiterin Wiebe Möller. Möglich wurde das Konflikttraining-Programm mit sechs Unterrichtsstunden pro Klasse erst durch die Förderung der Sparda-Bank Hannover-Stiftung, die dafür bislang seit 2010 weit mehr als 250 000 Euro locker machte. Die Montessori-Schule bekam 3300 Euro. „Den Rest haben der Schulförderverein und die Eltern mit einem geringen Betrag von zehn Euro pro Kind getragen“,erklärt Möller.

„Die Besonderheit an Gewaltfrei Lernen ist, dass nicht nur die Kinder am Projekt teilnehmen und Praxisunterricht erhalten, sondern auch die Eltern während einer Abendveranstaltung für das Thema sensibilisiert und durch Rollenspiele geschult werden“, sagt Oliver Henneke. Überdies erhielten die Lehrer in Fortbildungen wichtige Informationen, damit das Vermittelte auch nach dem Training in der Schule und auf dem Schulhof gelebt werde.

„Genau dieses Rundum-Paket macht das Anti-Konflikt-Training so einzigartig“, schwärmt Wiebe Möller. Deshalb kann sich die Schulleiterin auch gut vorstellen, „es in vielleicht etwas veränderter Form irgendwann auch in der Sekundarstufe I anzubieten“.

Von Per Schröter

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