Gewerkschaft Ver.di macht Druck auf Arbeitgeber

Streik im Einzelhandel: Viele Netto-Läden bleiben heute dicht

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Netto-Laden bleibt zu: Streikende und Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di am Freitagmorgen vor der Filiale des Discounters Netto in der Göttinger Prinzenstraße. Ver.di-Sprecherin Monika Neuner verliest Forderungen und Grußbotschaften.

Göttingen. Streik im Einzelhandel: Die Dienstleistungsgesellschaft Ver.di hat für heute zu einem Streik in Betrieben und einer Kundgebung in Hannover aufgerufen, zu der auf der „Streikmeile“ gut 400 Teilnehmer erwartet werden.

In Göttingen gab es am Morgen eine Kundgebung mit 50 Menschen vor der Netto-Filiale in der Prinzenstraße. Die bleibt heute ebenso geschlossen wie weitere Netto-Läden in und um Göttingen, darunter in Einbeck, Bad Gandersheim und Nörten-Hardenberg.

Die Mitarbeiter und die Gewerkschaftler protestieren gegen von den Arbeitgebern geplante Einschnitte im Manteltarifvertrag. So sollen Niedriglohngruppen für Verpacker eingeführt, Kassiererinnen schlechter bezahlt werden, Spät- und Nachtzuschläge entfallen sowie Neu- und Quereinsteiger vom Aufstieg in höhere Lohngruppen ausgeschlossen, der Stundenlohn auf 8,53 Euro gedeckelt werden.

Was viele Beschäftigte im Einzelhandel und speziell bei Netto davon halten, war auf den Plakaten und Spruchbändern zu lesen, die am Freitagmorgen in der Göttinger Innenstadt geschwenkt wurden: „Haste mal ein Euro, Herr Netto?“, war da zu lesen.

Denn im Gegensatz zu den Arbeitgeberplänen fordern Beschäftigte und Gewerkschaft eine Lohnerhöhung, klar geregelte Arbeitszeiten mit bezahlter Mehrarbeit und 90 Euro mehr im Monat für Auszubildende bei Netto.

„Wir stellen uns den Verschlechterungen entgegen, wollen das dem Arbeitgeberverband zeigen, deshalb beteiligen wir uns an dem Streik“, teilte Katja Nielke, Netto-Vertrauensleutevorsitzende in der Region Göttingen, mit.

Die Netto-Mitarbeiter befürchten, dass die geplanten Verschlechterungen auch einen Keil in die Belegschaft treiben könnten: „Wenn sich die Arbeitgeber durchsetzen, würde die Spaltung der Belegschaft noch extremer werden“, sagte Gloria Holbein aus der Filiale Prinzenstraße. Sie erwartet, dass dann noch mehr Einzelhandelsmitarbeiter trotz harter Arbeit zusätzlich Geld vom Staat beziehen müssten.

Fotos: Streik im Einzelhandel

Streik im Einzelhandel

Noch drastischer sieht es Gewerkschaftssekretärin Monika Neuner von Ver.di in Göttingen: „Dies ist ein Schlag ins Gesicht der Einzelhandelsbeschäftigten. Sie sind richtig sauer, auch, weil kein neuer Verhandlungstermin mit dem Arbeitgeberverband vorliegt.“

Neuner verlas vor der Netto-Filiale zudem viele Grußworte von Betriebsräten aus Firmen, die sich solidarisch mit den Netto-Streikenden zeigen, darunter waren mutmachende Stimmen auch der Betriebsräte von Thalia und Karstadt. Sie alle lobten, wie Neuner, den Mut der Netto-Beschäftigten, sich an dem Streik zu beteiligen.

Dann zogen die Streikenden zum Bahnhof, wo der Bus nach Hannover wartete.

Von Thomas Kopietz

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