H&M sammelt neuerdings Altkleider und wirft damit rechtliche Fragen auf

H&M: Streit um alte Kleider

Alte Kleider gegen Rabatt: Markus Symnick, Leiter der H&M-Filiale an der Weender Straße 72/74, nimmt die Tüten mit ausrangierter Kleidung entgegen und schmeißt sie in die Sammelbox. Foto: Schulz
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Alte Kleider gegen Rabatt: Markus Symnick, Leiter der H&M-Filiale an der Weender Straße 72/74, nimmt die Tüten mit ausrangierter Kleidung entgegen und schmeißt sie in die Sammelbox.

Göttingen. In der vergangenen Woche hat die schwedische Modekette H&M in Göttingen ihre Altkleider-Sammelaktion gestartet. Bei der Stadt sorgte der Fall für Verunsicherung. Die Frage: Ist das ohne Genehmigung erlaubt?

„H&M Conscious“ ist auf den unscheinbaren Sammelboxen aus Pappe zu lesen, von denen eine auch seit der vergangenen Woche in der Göttinger Filiale in der Weender Straße 72/74 steht. Daneben präsentiert sich Kleidung aus recyceltem Textil. „Conscious“ – zu deutsch Gewissen – appelliert an das grüne Bewusstsein der Kunden. Müll vermeiden ist das Ziel der Aktion laut Sprecherin Anna-Kathrin Bünger.

Das Prinzip: Jeder Kunde darf bis zu zwei Tüten mit alter Kleidung im Geschäft abgeben und erhält dafür 15 Prozent Rabatt auf einen Artikel seiner Wahl.

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Das Problem: Die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) sammeln ebenfalls Altkleider und wollen die gewerbliche Konkurrenz möglichst klein halten. Wer neben karitativen Einrichtungen gewerblich ausrangierte Kleidung sammeln will, braucht deshalb eigentlich eine Genehmigung der Stadt. Eigentlich – denn die Rechtslage ist ungenau. Entscheidend ist, ob die alte Kleidung als Abfall oder weiterhin als Kleidung gilt.

„Wenn Kleidungsstücke danach wieder getragen werden, handelt es sich nicht um Abfälle“, sagt Klaus Onken von der Unteren Abfällbehörde in Göttingen. Und nur wenn es sich bei der Kleidung eindeutig um Müll handelt, hat die örtliche Behörde Mitspracherecht. Wenn nicht, genügt ein Freistellungsbescheid der zuständigen Behörde am Firmensitz.

H&M scheint diese Unterscheidung zu kennen. „Wir verstehen es nicht als Altkleidersammlung“, sagt Sprecher Alexander von Aufschnaiter. „Gebrauchte Kleidung ist kein Abfall.“ Demnach könnten Straßensammlungen auch nicht mit den Sammlungen in Geschäften über einen Kamm geschoren werden.

Neu ist die Altkleider-Sammlung in Geschäften jedenfalls nicht. Die Schuhkette „Reno“ zum Beispiel nimmt schon seit 2009 alte Schuhe ihrer Kunden entgegen, um sie zu recyclen. Ohne Genehmigung der Stadt, wie Sprecherin Kerstin Slawatycki bestätigt. Begründung: „Es ist keine öffentliche Sammlung an einem öffentlichen Platz.“

Stadtsprecher Detlef Johannson ist sich jedenfalls sicher, dass die vermeintliche Gesetzeslücke bald geschlossen wird: „Die Thematik betrifft ja nicht nur Göttingen. Deshalb wird es wohl noch in diesem Sommer eine klare bundeseinheitliche Regelungen geben.“

Von Verena Schulz

Hintergrund: Viele Partner, ein Konzern

Der Moderiese H&M handelt im Geschäft mit den Altkleidern nicht auf eigene Faust. Hinter ihm steht das Schweizer Unternehmen I:Collect AG. Der Konzern hat neben H&M weitere 27 Partner, darunter Marken wie Puma oder Adidas sowie Ketten wie Adler oder Lidl. Mit Slogans wie „Nachhaltiger Konsum für eine bessere Welt“ präsentiert sich I:Collect auf seiner Homepage als Recycling-Unternehmen, das das Schonen der Ressourcen im Blick hat. Die gebrauchte Kleidung, die in den Geschäften der Partner gesammelt werden, verwertet das Unternehmen je nach Zustand weiter. Einige landen auf dem Second-Hand-Markt, andere werden zu neuen Textilien oder Dämmmaterial weiterverarbeitet. (vsz)

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