Streit um Singvögel im Harz: Landkreis beschlagnahmt "Wildfänge"

Um sie geht es: Buchfinken (Fringilla coelebs) treten im Harz zum Sangeswettstreit an. Die Goslarer Kreisverwaltung geht jetzt gegen mutmaßliche Wildfänge vor. Foto: dpa

Göttingen/Altenau. Darf eine Behörde Vogelbesitzern im Harz ihre Tiere wegnehmen, weil diese vermutlich aus illegalen Wildfängen stammen?

Um diese Frage dreht sich derzeit ein Rechtsstreit zwischen den Liebhabern eines umstrittenen Harzer Brauchtums und dem Landkreis Goslar. Der Landkreis hatte Ende vergangenen Jahres 15 Buchfinkenhalter aufgefordert, insgesamt 20 Singvögel bei der niedersächsischen Auffangstation für verletzte, kranke und beschlagnahmte Wildtiere in Leiferde bei Gifhorn abzuliefern. Die Behörde begründete dies damit, dass diese laut einem Gutachten der Staatsanwaltschaft aus verbotenen Wildfängen stammten. Da die meisten Vogelbesitzer dieser Aufforderung nicht nachkamen, griff die Behörde nun durch und ließ kürzlich die ersten Vögel beschlagnahmen.

Kontrollbesuche

Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde hätten unangekündigte Kontrollbesuche bei insgesamt neun Buchfinkenhaltern vorgenommen, teilte Landkreissprecher Maximilian Strache mit. Sechs Halter habe man nicht angetroffen, bei zwei Vogelbesitzern hätten die Kontrolleure keine Verstöße festgestellt. Anders bei dem dritten Halter: Hier ließ die Behörde zwei Buchfinken einziehen und in die Tierauffangstation Leiferde bringen. Sieben weitere Vögel - sechs Buchfinken und ein Erlenzeisig - wurden beschlagnahmt,

Die Beschlagahme bedeute, dass die Tiere zwar bei dem Halter belassen würden, dieser jedoch nicht über sie verfügen dürfe, erklärte Strache. Der Halter dürfe sie also weder verkaufen noch freilassen. Er müsse nun innerhalb eines Monats nachweisen, dass die Tiere aus legalen Züchtungen stammen. Anderenfalls werde die Naturschutzbehörde auch diese Vögel einziehen. Auch andere Vogelhalter hätten einen Bescheid erhalten, in dem ihnen die Beschlagnahme und gegebenenfalls Einziehung der Buchfinken angedroht werde. Gegen diese Bescheide hätten die betroffenen Halter Rechtsmittel eingelegt. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen.

Kauf in Bottrop

Die Harzer Buchfinkenhalter sollen die Vögel bei einem Händler in Bottrop gekauft haben, der wiederholt ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten ist und wegen einschlägiger Delikte verurteilt wurde. Er soll unter anderem Vögel verkauft haben, bei denen es sich um illegale Wildfänge handelte. In Niedersachsen ist es seit mehr als 30 Jahren verboten, Wildtiere zu fangen.

Die Buchfinkenhalter machen geltend, dass sie beim Kauf nicht gewusst hätten, dass die Vögel mutmaßlich aus illegalen Wildfängen stammen. Sie wollen sich deshalb gegen das Vorgehen des Landkreises juristisch zur Wehr setzen. Einige Halter haben angegeben, dass ihre Vögel entflogen oder verstorben seien.

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