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Theaterstück zeigt, wie es Sicherungsverwahrten ergeht

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Leben auf 23 Quadratmetern: Thomas B. Hoffmann spielt einen Sicherheitsverwahrten aus der JVA Rosdorf. Fotos: Schulz
Leben auf 23 Quadratmetern: Thomas B. Hoffmann spielt einen Sicherheitsverwahrten aus der JVA Rosdorf. Fotos: Schulz

Göttingen. Zwei schwere Metalltüren. Davor zwei Männer in Uniform mit ernster Miene. „Besucher haben sich auszuweisen“, spricht der eine mit autoritärer Stimme. Danach prasselt eine Regel nach der anderen auf den wartenden Zuschauer ein.

Nachfühlen, wie es einem Sicherungsverwahrten ergeht – das sollen Besucher des Stücks „Wegschließen und zwar für immer“ – und zwar gleich zur Begrüßung. Das Dokumantartheaterstück, das in Kooperation mit dem Schlosstheater Celle entstanden ist, feiert am Donnerstag, 21. November, Premiere im Deutschen Theater in Göttingen.

„Wir dachten, wir machen die Mauern durchsichtig“, erklärt

Nico Dietrich
Nico Dietrich

Regisseur und Autor Nico Dietrich. Gemeinsam mit Autorin Inken Kautter führte er Interviews mit Sicherungsverwahrten, die im Sommer von der Justizvollzuganstalt (JVA) Celle in die JVA Rosdorf umzogen, aber auch mit den Anstaltsleitern, Anwälten, Forensikern, Ehrenamtlichen und weiteren Involvierten. Die Gespräche bilden die Grundlage für das Stück. Aus 16 Interviews – 500 Seiten Rohmaterial – entwickelten sie 90 Minuten für die Bühne.

„Im Groben zeigen wir den Weg von Celle nach Rosdorf“, sagt Dietrich, „Außerdem: Wie kommt man in die Sicherungsverwahrung rein, wie kommt man wieder raus?“ Thematisiert werden dabei auch aktuelle Diskussionen, etwa die Forderung nach Pfeffer, für die noch vor einem Monat acht Rosdorfer Sicherheitsverwahrte in den Hungerstreik traten. „Es ist ein ständiger Spagat zwischen dem Recht auf ein freies Leben und der Straftat“, sagt Dietrich.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ein vermeintlich freies Leben aussieht, wird die Bühne mit Klebeband in Zellengröße unterteilt. Einzig festes Element: die große, weiße Zellentür. Im „Innern“ das Nötigste: Bett, Sofa, Regal, Klo. In dieser Kulisse schlüpfen die Schauspieler Imme Beccard, Meinolf Steiner sowie Thomas B. Hoffmann und Sibille Helfenberger vom Schlosstheater Celle jeweils gleich in mehrere Rollen.

Ziel des Perspektivenwechsels: Die Zuschauer sollen nicht nur einen Einblick in ein Leben in der Sicherungsverwahrung bekommen, sondern auch die Sicht der Betroffenen nach außen. Dietrich: „Wir wollen zeigen, was dieser Umgang mit Strafgefangenen über unsere Gesellschaft erzählt.“

Von Verena Schulz

Premiere am Donnerstag, 21. November, 20 Uhr im DT-Studio, Karten: 05 51 / 49 69 11.

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