Körper wird in Berlin untersucht

Toter Wolf „Kurti“: Suche nach Gründen für auffälliges Verhalten

Göttingen/Lüchow. Der Körper des am Mittwochabend bei Bad Fallingbostel erschossenen Wolfes „Kurti“ wird zunächst im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung untersucht.

Dabei werde auch überprüft, ob das Tier an Krankheiten oder Parasiten gelitten habe, sagte eine Institutssprecherin am Freitag. 

Weil er sich mehrmals Menschen bis auf kurze Entfernung genähert hatte und auch eine „Vergrämungsaktion“ im März ohne nachhaltige Wirkung blieb, hatte das niedersächsische Umweltministerium entschieden, das Tier töten zu lassen.

Die genetische Untersuchung des Wolfes mit der Bezeichnung „MT6“ geschieht nicht in Berlin: „Wir schicken dafür die DNA an das Labor für Wildtiergenetik in Gelnhausen“, sagte die Sprecherin. Erst diese Untersuchung könne Hinweise auf die Verhaltensauffälligkeit liefern. Was nach den Untersuchungen mit dem Kadaver passiert, ist unklar. Oft würden die Körper eingefroren.

Das Tier muss nach Ansicht des Wolfsexperten Kenny Kenner in seiner Jugend positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Anders sei das auffällige und für die Art untypische Verhalten des Tieres kaum zu erklären, sagte Kenner. Der Wolf hatte sich Menschen bis auf kurze Entfernung genähert, auch eine „Vergrämungsaktion“ im März hatte keine nachhaltige Wirkung. Kenner ist ehrenamtlicher Wolfsberater im Wendland. Ein Fachmann, Öffentlichkeitsarbeiter und Wolfsfreund.

Ob Kurti, wie vielfach vermutet, absichtlich „angefüttert“ wurde und sich dadurch an Menschen gewöhnte, sei im Nachhinein nicht mehr nachzuweisen. Der sogenannte Rendezvous-Platz des Munsteraner Rudels – der Ort, an dem sich die Welpen in den ersten Lebensmonaten meistens aufhalten – habe aber nahe einer Stelle gelegen, an der sich Soldaten auf ihre Übungen vorbereiteten.

Bemerkenswert ist Kenner zufolge auch, dass Kurti häufig tagsüber unterwegs war. „Normalerweise sind Wölfe nachtaktive Tiere. Es muss also eine Nahrungsquelle gegeben haben, die tagsüber für ihn besser zugänglich war.“

Kenner wies zudem darauf hin, dass nicht nur Kurti, sondern das ganze Rudel auffällig gewesen sei. Beobachtern sei es mehrfach gelungen, sich den Tieren bis auf kurze Distanz zu nähern, ohne dass diese geflüchtet seien. 2015 war ein anderer Wolf aus dem Rudel im Westen Niedersachsens in der Nähe von Menschen beobachtet worden.

Die Entscheidung zum Abschuss des Wolfes nannte der Experte nachvollziehbar. Das Umweltministerium habe das Risiko einer Attacke auf Menschen wohl nicht eingehen können. Gleichzeitig sei die Tötung des Tieres sehr bedauerlich, sagte Kenner. Er selbst hätte befürwortet, MT6 einzufangen und neu mit Sendern auszustatten, um ihn weiter zu beobachten. (epd/tko)

Rubriklistenbild: © Foto:  dpa

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