Umstrittene Nakba-Schau zieht in die Göttinger Galerie Alte Feuerwache

Galerie Alte Feuerwache: Hier wird die umstrittene Ausstellung ab Ende November zu sehen sein. Foto: Schlegel

Göttingen. Nach der neuerlichen Verschiebung einer wegen Antisemitismus-Vorwürfen in der Kritik stehenden Palästina-Ausstellung an der Universität Göttingen wollen die Organisatoren die Schau an einem anderen Ort zeigen. Sie werde am Mittwoch, 30. November in der Göttinger Galerie „Alte Feuerwache“ eröffnet.

Das kündigte die Islamwissenschaftlerin Irene Schneider an. Schneider hat die Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ und ein Rahmenprogramm gemeinsam mit dem Juraprofessor und Richter Kai Ambos vorbereitet.

Ursprünglich sollte die Schau ab dem 1. November im Kulturwissenschaftlichen Zentrum der Universität präsentiert werden. Im Vorfeld dieses Termins hatten der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und der studentische Fachschaftsrat Sozialwissenschaften eine Absage der Schau gefordert und dies mit antisemitischen Inhalten begründet.

So zeige die Ausstellung unter anderem, dass es im Zuge der israelischen Staatsgründung zu massenhaften Vertreibungen und ethnischen Säuberungen der arabischen Bevölkerung gekommen sei. Dabei werde aber verschwiegen, dass eine der größten Fluchtursachen „der Angriffskrieg der arabischen Nachbarstaaten auf den jungen jüdischen Staat war“. Die Jüdinnen und Juden im Nahen Osten würden in der Ausstellung als „kollektive Aggressoren“ dargestellt.

Ambos und Schneider hatten die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, die Ausstellung stelle das Existenzrecht Israels nicht infrage. Nach einem Gespräch mit dem Fachschaftsrat verschob die Universitätsleitung den Beginn jedoch mehrfach.

Am Montag erklärte die Hochschulleitung, die Ausstellung könne erst in einem halben Jahr an der Universität gezeigt werden. Erst nach einer externen wissenschaftlichen Analyse solle die Schau „mit einem adäquaten Raum für Gegenpositionen“ präsentiert werden.

In einem Brief an die Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel schreibt Ambos, er sei sehr enttäuscht von ihrem Vorgehen und fühle sich in seiner Wissenschaftsfreiheit und wissenschaftlichen Reputation verletzt. Beisiegel habe ihm bislang keine Begründung für die Terminverlegungen genannt, kritisiert der Juraprofessor: „Sie haben Studierende, die uns Antisemitismus vorwerfen, zu einem Gespräch empfangen – uns haben Sie aber nie die Möglichkeit gegeben, unsere Position darzulegen.“

Kein persönliches Gespräch

Auch Schneider beklagt in einem Schreiben an Beisiegel, dass sie kein persönliches Gespräch geführt habe. Die Ausstellung wurde zuvor bereits an mehr als 130 Orten in Deutschland gezeigt. In Freiburg war die Ausstellung im Jahr 2010 nach Kritik zunächst abgesagt worden. Das örtliche Verwaltungsgericht gab der Stadt aber auf, die Ausstellung doch zu zeigen. (epd)

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