Stillstand für 58 Castoren

Niedersachsens Umweltminister Wenzel stoppt Bewegung von Castor-Behältern

Hannover. 315 der in Deutschland lagernden Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll verfügen über nur unzureichend geprüfte Transportzapfen.

Dies teilte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) gestern in Hannover mit. „Diese dürfen daher vorerst nicht mehr bewegt oder transportiert werden“, erklärte Wenzel und kündigte ein entsprechendes Verbot für die 58 betroffenen Castoren in Niedersachsen an.

28 der Behälter stehen im Transportbehälterlager in Gorleben (von insgesamt 113), der Rest verteilt sich auf die Zwischenlager der noch laufenden Atomkraftwerke Grohnde (6) und Lingen (12) sowie des bereits abgeschalteten Meilers Unterweser bei Brake (12).

Dort in der Wesermarsch war der Mangel vor rund einem Jahr zunächst an vier Behältern aufgefallen. Die Tragvorrichtungen aus Stahlguss, mit deren Hilfe die tonnenschweren Castoren angehoben, umgestellt und verladen werden können, hatten entweder die vorgeschriebene Ultraschallprüfung gar nicht durchlaufen oder es war zumindest nicht ausreichend dokumentiert worden.

Daraufhin hatte die Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) alle Castor-Behälter in den Zwischenlagern unter die Lupe genommen und die Dokumentationslücken festgestellt. „Demnach kann zur Zeit nicht konkret aufgelistet werden, bei welchen Tragzapfen Qualitätsprobleme bestehen und bei welchen nicht“, betonte der Umweltminister. Er forderte von den Betreibern „für jeden einzelnen Behälter eine Stellungnahme zum sicherheitstechnischen Handlungsbedarf“. Eine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt bestehe aber nicht.

Nach Angaben des Herstellers, der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), sind tatsächliche Fertigungsmängel bislang auch nicht aufgetaucht. Das von den Atomkonzernen getragene Entsorgungsunternehmen hatte vorsorglich Tragzapfen an 92 unbeladenen Behältern ausgetauscht; diese wiesen laut GNS und BAM in einer Nachprüfung die erforderliche Qualität aus. Das Bundesumweltministerium teilte mit, dass es keine Bedenken wegen der Sicherheit der Castoren sehe.

Wie die Kontrolle der befüllten Castoren vonstatten gehen soll, ist derzeit noch ungeklärt. Der GNS schwebt offenbar eine Ultraschallprüfung vor Ort ohne Ausbau der Zapfen vor. Wenzel verlangt dafür aber lückenlose Sicherheitsnachweise. „Das muss nachvollziehbar sein.“

Ein Austausch der an der Außenhülle angebrachten Transporthilfen könnte laut Ministerium eine höhere Strahlenbelastung für die betroffenen Mitarbeiter zur Folge haben.

Der Minister kritisierte die Gesellschaft für Nuklear-Service und die Betreiber der Zwischenlager wegen der schleppenden Information der Öffentlichkeit über dieses Problem. „Wir haben es offenbar mit einem Defizit in der Sicherheitsphilosophie zu tun“, sagte Wenzel.

Von Peter Mlodoch

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.