Uni-Klinik-Forscher finden Ursache für Lymphdrüsenkrebs-Ausbreitung

Uni-Klinik erforscht Lymphdrüsenkrebs: Ein Team um Dr. Franziska Linke untersucht wie Hodgkin-Lymphome behandelt werden können. Foto: umg/nh

Göttingen. Krebsforscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben einen Ansatz für die Weiterentwicklung von Therapien bei Lymphdrüsenkrebs gefunden.

Am Ende könnte die Ausbreitung des Lymphoms in das Gefäßsystem eingeschränkt werden. Und: Die Nebenwirkungen bei Therapien könnten abgeschwächt werden.

Bisher haben speziell junge Menschen bereits durch Standardtherapien bei Lymphdrüsenkrebs gute Heilungschancen. Bei älteren Patienten aber wirken die Therapien oft nicht derart intensiv. Die Ausbreitung der Krebszellen im Lymphsystem sei daher eine große Herausforderung, wie die UMG-Mediziner sagen.

Die Erkenntnisse eines Forscherteams könnte nun mittelfristig neue Therapieansätze und Behandlungsfortschritte bringen. Ziel ist es, die Ausbreitung und Wanderung des Krebses, des Lymphoms, in Richtung Gefäßsystem zu behindern.

Universitätsmedizin Göttingen: Forscher haben mögliche Behandlungsansätze bei Lymphdrüsenkrebs entdeckt. Foto: nh

Die Forscher haben nun eine Ursache für die Ausbreitung des Hodgkin-Lymphoms im Lymphsystem untersucht, und sind fündig geworden –über einen Umweg: Brustkrebs-Metastasen. Dort ist für die zielgerichtete Wanderung, Ausbreitung und Steuerung der Krebszellen das Molekül WNT5A und der sogenannte WNTA-Signalweg verantwortlich – ebenso wie beim Hodgkin-Lymphom, wie die Forscher der Klinik für Hämatologie und medizinische Onkologie an der UMG und die Kollegen aus Brno (Tschechische Republik) festgestellt haben. Den Nachweis dafür lieferten eingesetzte Hemmstoffe. „Das war wirklich überraschend, denn bisher hatte man den WNT-Signalweg noch nie mit einer Funktion bei der Wanderung der Hodgkin-Lymphomzellen in Verbindung gebracht“, sagt die Erstautorin der Publikation, Dr. Franziska Linke.

Das Hodgkin-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems. Bei dieser Krebserkrankung entarten Zellen des lymphatischen Systems, die „B-Zellen“. Die Heilungsaussichten sind in vielen Fällen gut, vor allem, wenn der Morbus Hodgkin frühzeitig behandelt wird.

Typisch für die Erkrankung ist, dass benachbarte Lymphknoten betroffen sind. Das Hodgkin Lymphom ist ein besonderer Tumor, da nur ein Prozent der Tumormasse aus Tumorzellen besteht, eingebettet in eine sehr komplexe zelluläre Umgebung Die Prozesse, die dort ablaufen, waren bisher weitgehend unerforscht.

Klar scheint nun, dass WNT5A auch auf die – komplexe – Umgebung des Tumors wirken kann. „Dies bietet einen neuen Ansatzpunkt, um die bestehenden Therapien weiterzuentwickeln und zu verbessern“, sagt Prof. Dr. Dieter Kube aus der UMG-Forschungsgruppe.

UMG-Kollege Prof. Dr. Jörg Wilting empfiehlt nun, bei Hodgin-Patienten mit einem schlechten Krankheitsverlauf, Medikamente in klinischen Studien zu testen. (umg/tko)

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