Unterstützung durch Volkswagen-Stiftung: Der Wert der Uni-Sammlungen

Paulinerkirche mit Skulptur „Butt“ nach Günter Grass: In der alten Universitätsbibliothek in der Straße Papendiek war das „Königlich Academische Museum“ untergebracht. Foto: Kopietz

Göttingen. In der Förderinitiative „Forschung in Museen“ hat die Volkswagen Stiftung 3,9 Millionen Euro für neun kooperative Forschungsvorhaben von Museen und Hochschulen bewilligt. Davon profitiert auch die Uni Göttingen. 480.000 Euro fließen in ein Projekt mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zur Erforschung der Göttinger Universitätssammlungen.

Dabei wird es um die Frage gehen, ob und inwiefern die Arbeit mit Sammlungsbeständen die Entwicklung wissenschaftlicher Fachdisziplinen innerhalb der Georg-August-Universität angeregt und beeinflusst hat. Der Fokus richtet sich auf die Disziplinen Kunstgeschichte, Archäologie, Geschichte und Ethnologie. Die Institutionalisierung dieser Fächer wurde bereits wissenschafts- und fachhistorisch untersucht, bislang aber ohne den Blick auf den Zusammenhang mit entsprechenden Sammlungsbeständen und -praktiken.

Bezug auf erstes Uni-Museum

Mit Bezug auf das Königliche Akademische Museum, das 1773 an der Universität Göttingen gegründet wurde, wird dieser Zusammenhang aus ethnologischer und wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive untersucht. Die Ergebnisse sollen unter anderem in einer Ausstellung dargestellt werden.

Die Universität Göttingen verfügt über mehr als 30 Sammlungen, für die auch 30 Kustoden und Kustodinnen verantwortlich sind. Die Leitung der zentralen Kustodie mit Sitz im Auditorium am Weender Tor liegt in den Händen von Dr. Marie Luise Allemeyer.

Mit der Förderung im Rahmen der Initiative „Forschung in Museen“ will die Volkswagen-Stiftung insbesondere kleinen und mittleren Museen ermöglichen, Ausstellungen wissenschaftlich fundiert zu konzipieren und ihrem Vermittlungsauftrag gerecht zu werden.

Die intensive Zusammenarbeit mit Hochschulen und weiteren Forschungseinrichtungen ist dabei von zentraler Bedeutung.

Die nun vom Kuratorium der Stiftung bewilligten neun Vorhaben außer Göttingen in Niedersachsen ist die Technische Universität Braunschweig in Kombination mit Meta Peenemünde.

Akademisches Museum war seiner Zeit voraus

Der Physiker und Multi-Gelehrte Georg Christoph Lichtenberg beschrieb 1779 das 1773 an der Universität Göttingen gegründete „Königlich Academische Museum“ als das „erste richtige Museum in Deutschland, vermutlich sogar von ganz Europa“.

Die Grundidee des Museumskonzeptes entsprach weitgehend dem heutigen wissenschaftlichen Anspruch. Die Einrichtung hatte zum Ziel, der Lehre sowie der Forschung Material zur Verfügung zu stellen. Neu war die systematische Aufbereitung der Sammlungen; es ging nicht mehr darum, sie so aufzustellen, dass ein möglichst exotisches Bild entstand, sondern sie geordnet und katalogisiert zu präsentieren. Das Museum war unterteilt in eine Naturalien- und eine Kunstabteilung. Untergebracht war es seit 1796 in der Universitätsbibliothek - im ehemaligen Paulinerkloster.

Das Museum vereinte damals eine Mineraliensammlung, die von Samuel Christian Hollmann (1696-1787) zusammengetragen wurde, ein Naturalienkabinett von Christian Wilhelm Buettner, eine Gemäldesammlung von Johann Wilhelm Zschorn, eine Sammlung von 10.000 Holzschnitten, Kupferstichen und Handzeichnungen des Frankfurter Patriziers Johann Friedrich von Uffenbach, die natur- und völkerkundliche Sammlung von Johann Friedrich Blumenbach, und die Stiftungen des Freiherrn Georg Thomas von Asch aus Russland. Zudem war die Sammlung ergänzt durch eine ethnologische Sammlung der Weltreisenden James Cook (1728-1779) sowie Georg Adam Forster (1754-1794) und Reinhold Forster (1729-1798), die mit Cook auf dessen Schiff unterwegs waren.

Das Akademische Museum der Uni Göttingen wurde 1878 eingestellt, nachdem zuvor Teile der Ausstellung bereits in die aufstrebenden Fachbereiche verteilt worden waren. So werden die einstigen Sammlungsbestände des Akademischen Museums noch heute als Einzel- und Teilsammlungen von den Fachbereichen und eigenen Kustoden betreut.

Aber: Der einstige Vorreiter Akademisches Museum ist heute als Ganzes und in Teilen der Gestaltung auch eines der Vorbilder für das Leuchtturm-Projekt „Forum Wissen“ der Universität Göttingen, das einmal Ausstellung, Forschung und Lehre verbinden soll - im Gebäude des Zoologischen Institutes am Bahnhof/Groner Tor. (tko)

Von Thomas Kopietz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.