Diskrepanz in Wunsch und Kaufverhalten

Verbraucherwunsch für Milchindustrie: Die Kuh gehört auf die Weide

Glückliche Kühe: So wünschen sich viele Verbraucher die Haltung von Milchkühen. Die Realität sieht anders aus: Die Betriebe mit 500 Tieren und mehr halten ihre Kühe ausschließlich in Ställen. Foto: nh

Göttingen. Viele Verbraucher in Deutschland wünschen sich die Milchkuh auf der Weide. Das ist das Ergebnis einer Verbraucheranalyse von Agrarökonomen der Uni Göttingen.

Gleichzeitig aber heißt das nicht, dass sie alle diese tierfreundlichere Haltung auch unterstützen würden, indem sie mehr für die Produkte zahlen würden. „Es gibt eine klare Diskrepanz zwischen den Wünschen als Bürger und dem Verhalten als Konsument“, bilanzieren die Göttinger Wissenschaftler.

Forscherin: Sarah Kühl

Während Konsumenten die Weidehaltung durchweg mit positiven Attributen wie natürlich, tierlieb und gesund in Verbindung bringen, sehen sie die Stallhaltung weitaus kritischer.

Und: Für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der Tiere würden einige Konsumenten auch mehr Geld ausgeben: Vor allem die Gruppe der qualitätsbewussten Konsumenten ist bereit, mehr für Produkte aus Weidehaltung zu bezahlen. Eine Bereitschaft, die aber mit dem Einkommen und Bildungsniveau einhergeht. Denn: Die Gruppe der Weidebefürworter mit geringerem Einkommen und Bildungsniveau zeigt eine signifikant geringere Zahlungsbereitschaft für Weidemilch.

Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift International Food and Agribusiness Management Review erschienen.

„Das Phänomen, dass Verbraucher in ihrer Rolle als Bürger die Weidehaltung zwar bevorzugen, als Konsument jedoch weniger darauf achten, welche Produkte sie letztlich kaufen, wird als ,Consumer-Citizen-Gap‘ beschrieben“, erklären die Wissenschaftler.

Ramona Weinrich

Die Wissenschaftler sehen in dem Wunsch der Verbraucher nach Weidehaltung eine Herausforderung für die deutsche Milchwirtschaft. Demnach hätten in den vergangenen Jahren große Betriebe mit Kuhzahlen jenseits der 500 immer mehr an Bedeutung gewonnen. In solchen Großbetrieben findet sich jedoch kaum Weidehaltung. Deshalb gibt es mittlerweile vermehrt Produkte zu kaufen, die mit „Weidemilch“ deklariert sind. Damit soll Landwirten, die ihre Kühe auf die Weide lassen, ein höherer Milchpreis gezahlt werden können. „Der Marktanteil solcher Produkte ist in Deutschland jedoch marginal“, so die Autoren der Studie.

Den Agrarökonomen erscheint die Vermarktung von Milchprodukten aus Weidehaltung sinnvoll: „Damit die Milchwirtschaft nicht ähnliche Probleme wie die Fleischbranche bekommt, sollte sie frühzeitig über Möglichkeiten zum Erhalt der Weidehaltung nachdenken.“ (pug/tko)

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