Weißer Ring: Schnellere Hilfe für Opfer von Straftaten

Wollen künftig enger zusammenarbeiten: (von links) Volker Warnecke (Leiter des Zentralen Kriminaldienstes), Steffen Hörning (Weißer Ring Göttingen), Thomas Rath (Leiter der Polizeiinspektion Göttingen) und Rainer Bruckert, Vorsitzender des Weißen Rings Niedersachsen. Foto: Tiede

Göttingen. Wer Opfer von Verbrechen geworden ist, kann sich an eine Hilfsorganisation wenden. In Göttingen und Umgebung will der Weiße Ring gemeinsam mit der Polizeiinspektion künftig aktiv auf Betroffene zugehen. Diese Vereinbarung wurde per Unterschrift besiegelt.

Eine gute Zusammenarbeit pflegen die Göttinger Polizei und die Helfer des Weißen Rings seit Jahren. Seit Dienstag wird diese nun auf eine neue Stufe gestellt. Mit einer gemeinsamen Vereinbarung wollen Verein und Behörde künftig dafür sorgen, dass Opfer von Straftaten schneller Hilfe erhalten. „Seit drei Jahren arbeitet der Weiße Ring an der Idee für eine solche Kooperation“, sagte ihr Landesvorsitzender Rainer Bruckert bei der Unterzeichnung in der Polizeiinspektion. Nach ersten Versuchen im Emsland wurden in Northeim, Hameln und Holzminden bereits vergleichbare Abkommen getroffen.

Die nun auch in Göttingen geltende Vereinbarung hat keinesfalls nur symbolischen Charakter, betonte Steffen Hörning, der die Außenstelle des Weißen Rings in der Universitätsstadt leitet. Denn fortan verpflichten sich Polizeibeamte, bestimmte Opfer direkt zu fragen, ob diese Hilfe vom Weißen Ring annehmen wollen. Im Bedarfsfall geben die Beamten dann die persönlichen Daten direkt an den Verein weiter

Aktive Kontaktaufnahme

„Dadurch können wir aktiv Kontakt zu den Opfern aufnehmen, so Hörning. Andererseits verpflichten sich die zwölf Ehrenamtlichen aus Göttingen, jedem durch die Polizei vermittelten Betroffenen auch schnell zu helfen.

Für Thomas Rath, Leiter der Inspektion Göttingen, ist diese Neuerung auch rechtlich keine Kleinigkeit. Denn eigentlich ist es einer Behörde nicht erlaubt, personenbezogene Daten an Privatorganisationen herauszugeben. Daher sei das Einverständnis der Opfer wichtig, damit die schnelle Hilfe erfolgen könne. Rath gab sich überzeugt, dass auch seine Beamten von der Vereinbarung profitieren. Denn bislang konnte die Polizei Opfern lediglich eine Liste möglicher Hilfsangebote in die Hand geben. Für viele Beamten sei es kein gutes Gefühl gewesen, diese Menschen nach Aufnahme einer Strafanzeige mit ihrem Leid allein lassen zu müssen. (ptt)

Weißer Ring: Eduard Zimmermann ist Gründungsmitglied

Seit fast 40 Jahren kümmert sich der Weiße Ring als gemeinnütziger Verein um die Belange der Opfer von Verbrechen. Gründungsmitglied ist der 2009 gestorbene Fernsehmoderator Eduard Zimmermann, bekannt aus „Aktenzeichen XY ungelöst“.

Bundesweit sind derzeit rund 3000 freiwillige Helfer für die Organisation im Einsatz. Sie unterstützen Opfer bei Polizei- und Gerichtsterminen, helfen beim Stellen von Anträgen, vermitteln bei Bedarf psychologische oder juristische Hilfe, unterstützen Betroffene in finanziellen Notlagen und helfen durch persönlichen Beistand bei der Bewältigung des Erlebten.

Seit 1978 ist der Verein auch in Göttingen aktiv. Zwölf Helfer kümmern sich aktuell um Opfer im gesamten Landkreis. Der Weiße Ring macht sich zudem für die Präventionsarbeit stark, gibt regelmäßig Tipps zum Schutz vor Kriminalität.

Jedes Jahr am 22. März erinnert der Verein mit dem „Tag der Kriminalitätsopfer“ an die noch immer unzureichende Betreuung der Verbrechensopfer und ihrer Angehörigen. Bundesweit sind die Helfer des Weißen Rings unter der Rufnummer 116 006 erreichbar. (ptt)

www.weisser-ring.de

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