Mehr Strom aus Wasser: Umweltminister Wenzel will bessere Gesetze

Pro Wasserkraftwerke: Stefan Wenzel Foto: nh

Göttingen. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) fordert bessere Bedingungen für den Betrieb der deutschen Pumpspeicherkraftwerke. Derzeit springen Betreiber und Investoren ab, Neubauten werden verhindert, auch in Niedersachsen, wie Wenzel am Montag in einem HNA-Gespräch in Hannover sagte.

Warum sind die Rahmenbedingungen schlecht? 

Betreiber von Pumpspeicherkraftwerken müssen zweimal eine Einspeisungsgebühr entrichten, seltsamerweise für das Hochpumpen und dann für das Ablassen und tatsächliche Einspeisen des gewonnenen Stroms ins Netz. „Es werden doppelt Abgaben gezahlt, das ist ungerecht“, sagt Stefan Wenzel.

Warum ist das eigentlich so? 

Die Pumpspeicherkraftwerke werden im Gesetz als sogenannte Letztverbraucher behandelt und müssen Netz-Entgelte, Umlagen, Abgaben und Stromsteuer für die Entnahme und spätere Einspeisung von Strom aus und in ein Stromnetz zahlen. Für Wenzel ist das ungerecht, ja widersinnig.

Welche Folgen resultieren daraus? 

Mögliche Investoren und Betreiber haben von ihren Bauvorhaben Abstand genommen. In Südniedersachsen sollte ein weiteres Werk mit 200 MW Leistung im Leinetal bei Freden gebaut werden. „Hochtief hat den Plan aufgegeben, will so nicht investieren.“ Doch auch Erweiterungen bleiben aus: Weit weniger als erwartet und erhofft, investiert „Stadtkraft“ im benachbarten Kreiensen: 3,5 Millionen Euro statt der erhofften 70 Millionen werden in das bestehende, siebtgrößte Pumpspeicherkraftwerk Deutschlands gesteckt. Noch gravierender ist der Rückzieher für die Erweiterung der Pumpspeicherkraftwerkgruppe Waldeck am Edersee in Nordhessen: Dort wollte E.ON 250 Millionen Euro in eine 920 Megawatt starke Anlage investieren. Die Planungen liegen, trotz Genehmigung, auf Eis.

Welche Leistung haben die deutschen Pumpspeicherkraftwerke? 

Sie könnten maximal 7600 Megawatt Strom ins Netz einspeisen. Die Speicherkapazitäten reichen dabei täglich für vier bis acht Stunden Dauerbetrieb. Daraus ergab sich 2010 eine Gesamtspeicherkapazität von etwa 40 Gigawattstunden. Aber: „Sie laufen nur ein paar hundert Stunden im Jahr. Sie sind fast nicht genutzt“, beschreibt Umweltminister Wenzel die drastische Situation.

War der Rahmen schon immer so schlecht? 

„Die Bedingungen für den Betrieb von Pumpspeicherkraftwerken haben sich kontinuierlich verschlechtert“, stellt Wenzel fest. Das hat nun auch der Bundesrat festgestellt und fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Das wiederum freut Stefan Wenzel.

Warum will Minister Wenzel die Pumpspeicherkraftwerken fördern? 

Wenzel möchte eine andere Ein- und Wertschätzung für die Pumpspeicherkraftwerke erreichen. Der Umweltminister – und nicht nur er – sehen die Speicherkraftwerke nämlich als bedeutende Faktoren in einer Energielandschaft an: „Wir brauchen Energiespeicher. Die Pumpspeicherkraftwerke dienen zur Netzsicherung, können bei Bedarf lagernde Energie in Strom fürs Netz umwandeln.“ Deshalb will Wenzel, dass sie als „systemrelevant“ eingestuft werden. Folge wäre eine Besserbehandlung bei Abgaben. Die Anlagen würden für Investoren interessanter.

Würde das die Situation deutlich verbessern? 

Mittelfristig sicherlich, könnte eine Stilllegung von Anlagen verhindern sowie den Ausbau bestehender Kraftwerke fördern – im Optimalfall also die Zahl der Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland erhöhen. „Gelingt das nicht, hätte man den Wettbewerb gegen Billigstrom aus ausländischen, klimaschädlichen Kohlekraftwerken verloren“, sagt Stefan Wenzel und macht klar: „Wir brauchen den Netzausbau mit neuen Stromtrassen. Und wir brauchen Speicher.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.