Wissenschaftler untersuchten blühende Wiese: Insekten als Dienstleister

Schädlingskontrolle: Stengelnistende Wespen verfüttern an ihre Brut Schadinsekten und übernehmen so eine wichtig Funktion in Agrarökosystemen. Foto: Uni Göttingen/nh

Göttingen. Je mehr es wimmelt, kreucht und fleucht – desto besser für den Menschen, der von den Dienstleistungen der Natur profitiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Leitung der Universität Bern und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums. Zu den 300 beteiligten Forschern und Forscherinnen zählten auch Wissenschaftler der Universität Göttingen.

Aus Sicht der Forscher besitzt eine blühende Wiese nicht nur ästhetischen Wert. Die Natur erbringt auch jeden Tag handfeste und kostenlose Dienstleistungen für den Menschen. Dazu zählen die Wissenschaftler die Bodenbildung, Lebensmittelproduktion, Schädlingsbekämpfung und Klimaregulierung sowie kulturelle Leistungen wie die Nutzung der Natur als Erholungsraum.

Schwindende Artenvielfalt

Diese komplexen Ökosysteme setzen sich aus sogenannten trophischen Gruppen – verschiedenen Gliedern der Nahrungskette – zusammen. Welchen Einfluss die schwindende Artenvielfalt auf die Ökosystemdienstleistungen hat, wurde bislang lediglich anhand einzelner leicht zu untersuchender trophischer Gruppen wie Pflanzen studiert.

Nun haben die Wissenschaftler erstmals alle Gruppen entlang einer Nahrungskette in einer natürlichen Graslandschaft untersucht. Sie sammelten Daten zu insgesamt 4600 Tier- und Pflanzenarten aus neun Gruppen der Nahrungskette. Dazu zählten auch bislang eher vernachlässigte Arten wie Mikroorganismen, die den Boden zersetzen, und Abfallfressern wie Regenwürmern.

Die Forscher fanden heraus, dass jede Ökosystemdienstleistung von mindestens drei trophischen Gruppen abhängig ist. „Wir haben mithilfe von Nisthilfen stengelnistende Wespen erfasst, die ihre Brut mit Larven von Schadinsekten verpflegen“, sagt die Göttinger Agrarökologin Dr. Catrin Westphal. „Die Wespen übernehmen somit in Agrarökosystemen die wichtige Funktion der natürlichen Schädlingskontrolle.“ Je vielfältiger die Arten innerhalb der jeweiligen funktionellen Gruppe sind, desto zuverlässiger wird die Ökosystemdienstleistung erbracht.

Darüber hinaus beeinflusst jede Gruppe zumindest eine Ökosystemdienstleistung. Artenreichtum muss demnach in mindestens drei der untersuchten Gruppen der Nahrungskette sichergestellt sein – da aber nicht immer dieselben drei Gruppen für das Funktionieren einer individuellen Ökosystemdienstleistung maßgeblich sind, muss der Artenreichtum über alle Gruppen der Nahrungskette hinweg erhalten bleiben.

Unscheinbar und wichtig

Die Studie zeigt außerdem, wie wichtig auch vermeintliche Schädlinge und unscheinbare Dienstleister wie Insekten und Bodenorganismen sind.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen. (zsh)

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