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Mit BAP auf Wohnzimmerweltreise

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Von: Thomas Kopietz

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Rockmusik in Wohnzimmeratmosphäre: BAP um Wolfgang Niedecken (Mitte) spielten am Sonntagabend in der Göttinger Lokhalle eins Klasse-Konzert mit vielen neu-arrangierten alten Stücken. Foto: Kopietz
Rockmusik in Wohnzimmeratmosphäre: BAP um Wolfgang Niedecken (Mitte) spielten am Sonntagabend in der Göttinger Lokhalle eins Klasse-Konzert mit vielen neu-arrangierten alten Stücken. Foto: Kopietz © Kopietz, Thomas

Göttingen. Damals, der BAP-Fan sagt domohls, ´83, in Hildesheim war das hellblaue Shirt nach dem mehr als dreistündigen Konzert dunkelblau, schweißnass vom hemmungslosen Hüpfen. Heute, 2014, ist das Hemd trocken. Am Sonntagabend beim BAP-Konzert in der gut gefüllten Lokhalle schweifen die Gedanken oft zurück.

Das ist unvermeidlich, denn Wolfgang Niedecken ist über 60 und im Publikum sind das auch viele.

Es ist eben „Viel Passiert“, seit Anfang der 80er, wie Wim Wenders seinen BAP-Film nannte. Damals war BAP Sprachrohr für Friedensbewegte und Anti-AKW-Nachrüstungs-Gegner. Die Konzerte waren wild: Rock´n Roll. Heute sind alle ruhiger geworden, auch die beiden Altmeister Jürgen Zöller (Drums) und eben Wolfgang Niedecken.

Schlechter aber sind sie nicht, das ist nach wenigen Takten am Sonntag klar. So wird es zum Genuss pur, auf einer Bühne, die einem Wohnzimmer gleicht, inklusive Stehlämpchen. Sogar einen fliegenden Teppich haben die sieben Musiker dabei – „für eine musikalisch Weltreise“ wie Niedecken sagt, der viele Länder bereist hat und während seiner 38 BAP-Jahre stets Lieder mitgebracht hat.

So kommen auch Instrumente aus Indien und Türkei zum Einsatz. Gespielt werden sie von Multi-Instrumentalisten wie Anne de Wolff und Ulrich Rode (Gitarren).

Ja, es ist viel passiert, auch „der blöde Schlaganfall, ohne den es diese Akustik-Tour nicht gäbe“, wie Niedecken sagt, der nach dem Schlag Zeit zum Nachdenken und Planen hatte. Nun ist er wieder da, in Top-Form und sehr entspannt. Die einst kämpferischen Ansagen sind meist humorvollen Ansagen gewichen. Politische Aufrufe würde ihm heute eh’ keiner mehr abnehmen. Der Kölner Dylan- und Springsteen-Fan ist wie seine Vorbilder ein würdiger Alt-Rocker – ohne Peinlichkeiten, dafür aber mit viel Einfühlungsvermögen. Das spiegelt sich in der Musik wider: Die Fassung von „Kristallnaach“ ist vorzüglich. „Do kann´s zaubre“ – gewinnt neu interpretiert sogar noch und „Anna“ ist wunderbar locker arrangiert.

Dazu kommt der komplexe, selten und hier meisterhaft gespielte Song „Lisa“ Bei einem Lied aber stehen alle: „Verdamp lang her“, zu dem Millionen tanzten und grölten. Heute ist das ruhiger, was sogar besser passt, denn es ist ein Lied über die schwierige Vater-Sohn-Beziehung, deren Probleme durch den Tod des „BAP’s“, des Vaters, nicht ausgesprochen werden konnten. Es ist eben viel passiert seit damals. Und im Gegensatz zu früher sind diesmal die T-Shirts trocken geblieben, was kein Konzert-Qualitätskriterium ist. Aprospos Klamotten: Niedecken trägt noch immer Jeanshemden. Die sind wieder in. Wär’ schön, wenn auch BAP bei den Kids wieder auf der In-Liste stünden. Am Ende der Tour kann schon mal geschnuppert werden – das Märchen vom Unplugged-Konzert gibt’s als CD und MP3.

Von Thomas Kopietz

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