Protest gegen das Turbo-Abi hält an – SPD-Abgeordnete wollen die Abschaffung

Zurück in die Abitur-Zukunft

Radau gegen den Bildungsklau: Etwa 1500 Schüler aller Gymnasien und weiterführenden Schulen in Göttingen demonstrierten am 28. Januar – hier vor dem Max-Planck-Gymnasium – gegen die Schulpolitik in Niedersachsen. Foto: Kopietz

Göttingen. Die Protestwelle gegen das Turbo-Abi in Niedersachsen schwillt weiter an. Schüler, Eltern und Lehrer begehren auf – auch in Göttingen. Die SPD-Landtagsabgeordneten Gabriele Andretta und Ronald Schminke machen Druck – sie sagen: G 8 muss weg.

„Der Druck, der auf Schülern, Eltern und Lehrern lastet, muss weg“, sagte Schminke. „Bildung braucht Zeit. Es kann nicht sein, dass Kinder mehr Zeit für die Schule aufwenden als berufstätige Eltern für den Job.“

Noch ist die Abschaffung des achtjährigen Turbo-Abiturs in Niedersachsen nicht beschlossene Sache. Die SPD-Fraktion wird zum Thema im März eine Klausurtagung anberaumen, dann soll die Entscheidung fallen.

Für die Göttinger SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Gabriele Andretta und Ronald Schminke jedenfalls kann es nur noch um die Frage gehen, wann das neunjährige Abitur wiederkommt, das die Rückkehr in die Zukunft startet.

Sowohl Andretta als auch Schminke gehen davon aus, dass ab dem Schuljahr 2015/16 die Rückkehr zum neunjährigen Abitur eingeführt werden wird. Die Zurückhaltung der Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) in dieser Frage erklärt Gabriele Andretta damit, dass die Ministerin zunächst den Dialog führen müsse. In der Öffentlichkeit aber wird eine klare Positionierung von Heiligenstadt vermisst: Schüler- und Elternräte, aber auch Lehrervertreter kritisierten zuletzt die weiche Haltung der Kultusministerin in einer Zeit, in der einstige Befürworter, wie Liberale und der Philologenverband Bedenken gegen G 8 äußerten.

Klar ist: In Niedersachsen brandet momentan eine neue Protestwelle gegen das weiterhin vorhandene achtjährige Abitur durch das Land. In Göttingen gingen in der vergangenen Woche 1500 Schüler auch für ihre Lehrer auf die Straße, sie protestierten gegen G 8, die Lernbedingungen und die Mehrarbeitszeit für Gymnasiallehrer. Für sie hatte die Landesregierung eine zusätzliche Unterrichtsstunde beschlossen.

Ronald Schminke jedenfalls hofft, dass er nicht auch bei der G-9-Entscheidung, wie im Fall Mehrarbeitszeit, gegen seine Überzeugung und stattdessen im Sinne der Fraktion abstimmen muss. „Mit mir nicht, ich bin gegen G 8!“, sagt Schminke unmissverständlich. Es gehe auch darum, ein Wahlversprechen einzulösen.

Während Andretta Beratungen noch für wichtig hält und Ministerpräsident Stephan Weil das Thema weiter prüfen will, stellt Schminke klar: „Wir brauchen keine neuen Untersuchungen und Daten – die Ergebnisse von G 8 sind doch deutlich zu erkennen.“ Schüler hätten keine Zeit mehr für Freizeitaktivitäten wie Sport und Musik, Eltern litten mit ihren Kindern unter dem Zeitdruck – und die Lehrer stünden unter Stress. So sieht es aus an Niedersachsens Gymnasien. (tko)

Von Thomas Kopietz

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