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Messerattacke auf Frau und Kind: Zwölf Jahre Haft

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Göttingen. Weil er mit zahlreichen Messerstichen seine frühere Lebensgefährtin und deren kleinen Sohn lebensgefährlich verletzt hat, muss ein 22-Jähriger für zwölf Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Göttingen verurteilte den arbeitslosen Restauranthelfer am Donnerstag wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlags.

Der Angehörige einer in Göttingen lebenden Familie stammt aus dem Kosovo und hat einen serbischen Pass. Er hatte die damals 24-jährige Frau und den damals fünf Jahre alten Jungen im Juni 2009 im Streit mit dem Messer attackiert. Beide konnten nur durch Notoperationen gerettet werden. Der Junge ist seit den Messerstichen querschnittsgelähmt.

Das Verfahren fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt, weil Racheakte befürchtet wurden. Nachdem sie den Angeklagten bedroht und beschimpft hatten, mussten zwei Frauen, die zur Familie der Opfer gehören, den Gerichtssaal während der Urteilsbegründung verlassen. Die Familie des Angeklagten war 2009 wenige Tage nach den Taten aus Angst vor Übergriffen aus Göttingen verschwunden. Auch der Angeklagte flüchtete. Er wurde nach siebenmonatiger Flucht in Mazedonien gefasst.

Tatmotiv gekränkter Stolz

Das Gericht folgte im Strafmaß dem Antrag des Staatsanwalts, der gekränkten Stolz und Eifersucht als Tatmotive angeführt hatte. Die Nebenklage hatte eine noch längere Haftstrafe, die Verteidigung viereinhalb Jahre Jugendstrafe gefordert.

Wenige Stunden vor der „furchtbaren Tat“ - so der Vorsitzende Richter - hatte der Angeklagte eine SMS von seiner früheren Lebensgefährtin erhalten. Darin hatte sie ihn aufgefordert, sie in Ruhe zu lassen. Nach reichlich Alkoholkonsum hatte der Angeklagte dann am frühen Morgen des 6. Juni 2009 die Tür zur Wohnung der Frau eingetreten. Als es zum Streit kam, stach er zunächst zweimal auf den Jungen ein, weil dieser per Telefon Hilfe rufen wollte. Das arglose Kind wurde dabei im Rücken getroffen.

Das Gericht wertete dies als heimtückischen Mordversuch. Anschließend stach der Angeklagte mehrfach auf die Frau ein und verletzte dabei unter anderem mit drei Stichen die Lunge. Das Gericht sah darin versuchten Totschlag. Ohne Operation, so sagte der Vorsitzende Richter, wären Mutter und Sohn gestorben. (lni)

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