Findelkind ist tüchtig gewachsen

Ein Wildschwein, das Rinder liebt: Johann lebt weiterhin in der Meensener Herde

Meensen. Der inzwischen eineinhalbjährige Keiler namens Johann ist wieder und weiterhin zu Gast bei der Rinderherde in Meensen und genießt dort Kost und Logis.

Die anrührende Geschichte um das Wildschweinwaisenkind Johann, das im vergangenen Jahr Unterschlupf bei einer Rinderherde in Meensen fand und dort als Fremder eine besondere Art der Willkommenskultur genoss, geht in die Verlängerung: Der mittlerweile eineinhalbjährige Keiler genießt weiterhin Kost und Logis bei der Herde, die auch im Winter über auf einer Wiese mit Stall am Waldrand bei Meensen untergebracht ist.

Dort schläft Johann warm und kuschelig im Stroh und ernährt sich von dem, was auch seine artferne Familie erhält: energiereiche Maissilage und saftige Rübenschnitzel.

„Er ist tüchtig gewachsen und versteht sich nach wie vor mit den Rindern“, sagt Jakob Kraft, der den damals noch kleinen Frischling im September 2015 erstmals entdeckt hatte. Das Wildschwein hatte offensichtlich seine Mutter oder den Anschluss an den Rest seiner Familie verloren - und wurde von der Herde aufgenommen.

Großes Presseecho 

Findelkind Johann und sein Entdecker Jakob, dessen Familie in Meensen einen Bauernhof mit 30 Milchkühen bewirtschaftet, wurden über Nacht bekannt. Nach der Veröffentlichung des Artikels in der Mündener Allgemeine stand bei Jakob Kraft das Telefon nicht mehr still: Etliche Pressetermine absolvierte er, in allen großen Zeitungen wurde über den Fall berichtet, auf mehreren öffentlichen und privaten Fernseh- und Radiosendern lief die anrührende Geschichte vom Findelkind Johann. Dabei sah es zunächst nicht nach einem guten Ende aus. Nachdem im November die Kuhherde von Familie Kraft, bei der sich der Frischling aufhielt, in den Stall gebracht wurde, war das Tier für mehrere Wochen von der Bildfläche verschwunden: „Wir hatten schon Angst, dass er geschossen wurde“, sagt Jakob Kraft.

Die Rückkehr 

Doch dann tauchte das Tier plötzlich wieder auf bei einer zweiten Herde mit Jungrindern - und die bleiben auch den Winter über draußen. Auch im vergangenen Sommer war Johann eine zeitlang verschwunden, kam aber wieder zur Herde zurück.

Jakob Kraft hofft nun, dass die Jäger in der Umgebung auch künftig den Finger gerade lassen, wenn ein einzelnes, mittlerweile gut 60 Kilogramm schweres Wildschwein ihnen den Weg kreuzt: Es könnte Johann sein.

Ähnlicher Fall 

Vor sechs Jahren hatte ein ähnlicher Fall aus dem Landkreis Göttingen bundesweit Schlagzeilen gemacht. Damals wurde Frischlingsmädchen Frederike von einer Gallowayherde bei Roringen adoptiert. Nach einigen Wochen wurde das Tier schließlich äußerlich unverletzt tot aufgefunden, offensichtlich litt es unter einer Durchfallerkrankung.

Rubriklistenbild: © Mühlhausen

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