Alte Löwenbrücke wird abgerissen - wohin mit dem Löwen?

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Eingewachsen: Wie im Dschungel steht der steinerne Löwe an der alten Brücke zum Tanzwerder. 

Hann. Münden. Die rätselhafte steinerne Skulptur an der Löwenbrücke in Hann. Münden gab der Brücke ihren Namen.

Nun wird die Brücke demnächst abgerissen, da eine neue als Zugang zum Tanzwerder gebaut wurde. Wohin dann mit dem Löwen? fragte kürzlich in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses Reiner Cohrs, Fachdienst Liegenschaften und Sanierung. Vorschläge dazu hatte er auch im Gepäck: Zum Beispiel könnte man den Löwen aus seinem Schattendasein holen, ihn zum Zentrum eines kleines Platzes mit Bänken drumherum machen. Dann könnte man ihn von allen Seiten betrachten und hätte eine ansprechend gestaltete Ecke nahe der neuen Brücke zum Tanzwerder.

Das aber würde so rund 30 000 Euro kosten, skizzierte Cohrs. Denn der Löwe mit seiner Säule bräuchte ein festes Fundament, auch eine Absicherung wäre nötig.

Die Summe schreckte die Ausschussmitglieder ab, die gleich abwinkten: Den Löwen lassen, wo er ist, ihn aber mal freischneiden, damit man ihn besser sieht, lautete der pragmatische, schnelle Vorschlag.

Die Skulptur ist schon sehr alt, und Legenden und Erklärungsversuche, woher sie stammt und wie alt sie ist, gibt es mehrere. Gesicherte Erkenntnisse aber habe man nicht, so Sarah Schnieder vom Stadtarchiv.

Ist er ein Wappentier, entweder aus dem Hessischen oder von den Welfen? Eine aus dem Brandschutt des Schlosses im 16. Jahrhunder geborgene Figur? Oder doch ein ehemaliger Wasserspeier, der an einem Vorgängerbau der St.-Blasius-Kirche angebracht war?

Als wahrscheinlichste Theorie gelte die, dass die Skulptur von einer anderen Brücke übernommen wurde, so Schnieder und Stadtarchivar Stefan Schäfer ergänzt: Als die Aufbauten und die Tore der alten Werrabrücke abgerissen wurden, könnte der Löwe von dort zur Tanzwerderbrücke gebracht worden sein. Dann wäre er ein hessisch-thüringischer Wappen-Löwe.

Der Bau der historischen Werrabrücke war ein Groß-Projekt der Thüringer. Gut möglich also, dass sie ihn quasi als ihr Logo dort zurückließen. Die angedeutete Krone, die auf seinem Kopf noch zu erkennen ist, würde da ins Bild passen.

Das Aussehen des Löwen lässt auf Gotik oder Romanik schließen, ähnliche Löwen findet man an Kirchen oder Dömen. Dann könnte der Mündener Löwe schon 1000 Jahre auf dem Buckel haben.

Vielleicht hat aber auch ein nicht so begabter Bildhauer einen romanischen Löwen, den er anderswo gesehen hatte, nur kopiert und das Mündener Exemplar ist viel jünger. Es sei aber aus heimischem Sandstein, so Schäfer, soviel habe man feststellen können.

Ob die Figur saß oder stand ist nicht mehr zu erkennen, denn die Beine sind abgebrochen. Das ist möglicherweise die Folge von jugendlichem Vandalismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Da hatten angeblich böse Buben das steinerne Tier in die Fulda gestürzt.

Aber er sei als frei stehende Skulptur gearbeitet worden, beschreibt es Schäfer weiter. Allerdings asymmetrisch: Wahrscheinlich war er vor einem Hintergrund angebracht, die sichtbare Seite ist dicker. Hinweise, der Löwe könnte einmal ein Wasserspeier gewesen sein, gebe es indes nicht.

Der Mündener Geschichtsverein Sydekum habe eine Hinweistafel angekündigt, die am Sockel angebracht werden soll.

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