Fachwerk-Fünfeck bezahlt Konzept

Energie sparen im Denkmal: Modellhaus in Münden wird energetisch saniert

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Verputztes Fachwerk: Das Haus Lohstraße 12 wird energetisch saniert als Beispiel für viele andere Immobilien im Fachwerk-Fünfeck. 

Hann. Münden. Mit der Lohstraße 12 wollen die Mündener zeigen wie es geht: Das Fachwerkhaus wird umgebaut und energetisch saniert.

Es ist Konzept-Immobilie im Fachwerk-Fünfeck, gehört der Immobilien- und Vermietungsgesellschaft Hann. Münden (IVM) und soll nach der Sanierung soweit öffentlich zugänglich sein, dass Interessierte Einblick nehmen können, wie bei der Sanierung vorgegangen wurde.

Am Donnerstag stellten Jens Steinhoff, Prokurist der IVM, Burkhard Klapp, städtischer Denkmalpfleger, Nicole Prediger, Bereichsleiterin städtische Bauverwaltung, und Architekt Holger Hermann Möller (Büro für Architektur und Stadtplanung, Kassel) vor, wie weit die Pläne gediehen sind.

Varianten:

Drei Varianten einer künftigen Nutzung stellte Möller vor: (1) eine Kombination aus Büro-Wohnen-Dienstleistung, (2) gemeinschaftsorientiertes Wohnen, gegebenenfalls therapeutischer Art, in Geschoss übergreifenden Wohneinheiten sowie (3) ein Büro im Erdgeschoss und kleine Wohnungen(60 bis 65 Quadratmeter) darüber.

Bei den Varianten zwei und drei würde man über ein im Hinterhof angebautes offenes Treppenhaus in die Wohnungen kommen, bei der ersten Variante über ein Treppenhaus im Gebäude, wobei noch Fragen des Brandschutzes zu klären wären. Eine Kombination der drei Varianten wäre möglich. Derzeit favorisiert wird Variante drei mit einem Beratungsbüro im Erdgeschoss, das inhaltlich zum Thema Fachwerk oder Energisparen passen soll.

Dämmung:

Durch Dämmung soll der Energieverlust gebremst werden. Auf den vorhandenen Putz der Frontseite würde man eine, wenn auch dünne, zusätzliche Schicht auftragen können, auch von innen kann gedämmt werden durch eine Leicht-Lehmschicht, skizzierte es Möller. Auf der Hofseite ist das Fachwerk nicht verputzt, noch sei offen, ob im Hinterhof Schindeln angebracht werden können.

Das Dachgeschoss soll die Heizungsanlage aufnehmen. Dennoch empfiehlt Möller, die Dachschrägen zu dämmen und nicht einfach den Fußboden, da der Technikraum ja von den Wohnungen her einen Zugang bekommen müsste.

Energieversorgung:

Zweites Standbein der Energi-Effizienz ist die Versorgung des Hauses mit Energie: 15 Prozent des Energiebedarfes sollen über erneuerbare Energie abgedeckt werden. Da je nach künftiger Nutzung der Bedarf an Energie unterschiedlich sein wird, steht noch nicht fest, welche Technologien zum Einsatz kommen können. Solarthermie und eine Kraft-Wärme-Koppelung wären denkbar, sagte Steinhoff. Da die Dachfläche des Treppenhauses im Hiterhof eine neu gebaute sei, könne diese einfacher genutzt werden, als das auf dem denkmalgeschützten Haus direkt der Fall wäre, ergänzte Klapp: Dort könnte zum Beispiel eine Solaranlage Platz finden.

Problematik:

Ein denkmalgeschütztes Haus zu dämmen, ohne dass es dabei Schaden nimmt, das beschreibt Denkmalpfleger Klapp als die Herausforderung dabei. Zwar erleichtere hier der vorhandene Putz auf der Fassade ein wenig die Arbeit, aber die bauphysikalische Problematik bleibt dieselbe: Die Dämmung darf nicht dazu führen, dass sich irgendwo Kondenzwasser bilden und Schimmel entstehen kann.

Da hier Kompromisse gemacht werden müssen, sind die Auflagen gemäß Energie-Einspar-Verordnung für ein Denkmal geringer als die für einen Neubau.

Kosten:

Das Konzept, das jetzt erarbeitet wird, bezahlt das Fachwerk-Fünfeck. Es bildet eine Entscheidungsgrundlage für den Eigentümer. Die Kosten für die Sanierung stehen noch nicht fest, hängen unter anderem von der Art der künftigen Nutzung ab. Sobald diese steht, werde es um die Finanzierung gehen, so Steinhoff. Energetische Sanierung wird durch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) gefördert.

Das Haus:

In welchem Jahr das Haus Lohstraße 12 in Hann. Münden gebaut wurde, ist noch nicht ermittelt. Denkmalpfleger Burkhard Klapp datiert es grob ins frühe 17. Jahrhundert. Es wurde im barocken Stil erbaut und später, zwischen 1790 und 1820, dem Geschmack der Zeit entsprechend klassizistisch umgestaltet. Daher rührt auch die verputzte Fassade, die das Haus behalten soll. Nicht jedes Fachwerk müsse freigelegt werden, so Klapp. Vier Geschosse, 537 Quadratmeter Nutzfläche, sechs Wohnungen gibt es im Gebäude. Das Dachgeschoss ist nicht geeignet, als Wohnraum ausgebaut zu werden. Es wird ohnehin als Technikraum benötigt, da das Haus keinen Keller hat - von einem winzigen, niedrigen Gewölbekeller abgesehen, der aber nicht nutzbar ist. Nach einem Wasserschaden war das Gebäude teilweise geräumt worden, einige Wohnungen sind derzeit noch vermietet. Während der Sanierungsarbeiten kann niemand in dem Haus wohnen. Wann die Sanierung beginnt, ist noch offen. Wenn es aber soweit sei, so IVM-Prokurist Steinhoff, werde man keinem Mieter einfach kündigen, sondern für alle nach Lösungen suchen. 

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