Gefahr für Flugzeuge am Kassel Airport?

Geplanter Windpark im Reinhardswald: Münden schaltet Flugsicherung ein

Überflug: Das Foto zeigt ein militärisches Transportflugzeug bei Überfliegen eines Windrades bei Erlach in Bayern. Foto: dpa

Reinhardswald. Die Stadt Hann. Münden führt als Argument gegen den Windpark ins Feld, dass er für die Verkehrsflugzeuge, die in Calden starten und landen, eine Gefahr sein könnte.

Am Montag wird der Planungs- und Hauptausschuss der Regionalversammlung Nordhessen eine Empfehlung beschließen über die Windvorrangflächen in Nordhessen. Dazu gehört auch die Fläche am Gahrenberg im Reinhardswald mit der Abkürzung KS_26. Die Stadt Hann. Münden wendet sich gegen die Pläne, der Stadtrat hat bereits eine entsprechende Resolution beschlossen.

20 Windräder 

Wie berichtet, wollen der südhessische Energieversorger GGEW AG und der Windkraftplaner ABO Wind auf dem Gahrenberg - weithin sichtbar aus dem Tal der Dreiflüssestadt - 20 Anlage errichten.

Die Rede ist von der neuesten Generation Windkraftanlagen mit 230 Meter Höhe, die Nabenhöhe betrage rund 160 Meter. Die Stadt Hann. Münden führte bisher als ein Argument gegen die Pläne die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ins Feld; für eine Stadt mit viel Tourismus ein wichtiger Aspekt.

Jetzt kommt, wie Bürgermeister Harald Wegener am Donnerstagabend im Ortsrat Gimte erklärte, ein weiteres Argument gegen die Windkraft im Reinhardswald hinzu. Es ist die Frage, ob die Verkehrsflugzeuge, die in Kassel-Calden starten und landen, ihre Flugrouten ändern müssen.

Es gehe um die Frage, ob bei 230 Meter hohen Windkrafträdern bei Überflügen von Flugzeugen die Flugsicherheit noch gewährleistet ist, sagte auf Nachfrage der HNA der Leiter des Fachdienstes Stadtplanung der Stadt Hann. Münden, Siegfried Pflum. Der Stadtplaner hat die DFS Deutsche Flugsicherung in Langen sowie das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) über die Planung informiert und den Mitarbeitern Pläne und Flugrouten zugeschickt. Beide Behörden hätten nach Durchsicht der Unterlagen mitgeteilt, dass die Flugsicherheit bei dem geplanten Vorhaben noch nicht geprüft worden sei. Das sei auch dem Regierungspräsidium (RP) in Kassel, der Genehmigungsbehörde, mitgeteilt worden, berichtet Pflum.

Das RP habe erklärt, die Frage der Flugsicherheit im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz klären zu lassen. Das werde eine Aufgabe für den Energieversorger GGEW AG und die Firma ABO Wind sein.

Die Flugsicherungsbehörden hätten deutlich gemacht, so Pflum, dass sie für eine abschließende Prüfung der Flugsicherheit wissen müssen, wo die Anlagen genau stehen und wie hoch sie sein werden. Wie Pflum erläutert, grenzt die Vorrangfläche im Reinhardswald unmittelbar an den Baubeschränkungsbereich des Flughafens und liege in einer Höhenlage von 300 bis 400 Meter über NN. Die Anflughöhe der Flugzeuge betrage etwa 750 Meter über NN. Addiere man Höhenlage der Vorrangfläche und Höhe der Windkrafträder so reduziere sich die Überflughöhe deutlich, meint Pflum.

Überflughöhe 

Eine Überflughöhe von 150 bis 250 Meter sei nach der Luftverkehrsordnung bei Start- und Landeanflügen zwar ausnahmsweise zulässig. Allerdings berücksichtige die zulässige Überflughöhe nicht, dass Windkraftanlagen anders als Funktürme zum Beispiel dynamische Hindernisse sind, die Einfluss auf die Windverhältnisse im Umfeld der Anlagen hätten.

Für ein Flugzeug, das in den Einflussbereich einer Windkraftanlage gerate, bedeute dies, dass die Piloten in kürzesten Abständen und ohne ausreichende Reaktionszeit mit gegensätzlichen Windverhältnissen zurecht kommen müssten.

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