Heimatpfleger Martin Czichelski veröffentlicht sein neues Werk

Lokalhistoriker belegt: Münden war ein Königshof

+
Das Buch zum Ort: Hann. Mündens Lokalhistoriker Martin Czichelski mit seinem neuen Werk „Königshof Münden“. Der Ort, wo er ihn ansiedelt, ist der Platz, auf dem die Aegidienkirche (im Hintergrund) steht.

Hann. Münden. In seinem Buch "Königshof Münden" kommt Mündens Ortsheimatpfleger Martin Czichelski zu dem Schluss, dass Karl der Große in Münden einen Königshof hatte.

Drei Jahre hat der Mündener Ortsheimatpfleger und Lokalhistoriker Martin Czichelski an seinem neuen Werk gearbeitet, mit dem er in die Zeit des Mittelalters eintaucht und sich auf die Spuren des Mündener Königshofes begibt.

Sein Fazit und das Ergebnis seiner breit angelegten Recherchen lautet: „Ja, in Münden gab es einen Königshof.“ Czichelski ist sich auch sicher, dass er weiß, wo er gestanden hat, nämlich auf dem Platz, auf dem heute die Aegidienkirche steht. Gegründet habe ihn wie viele andere auch Karl der Große (747-814) um das Jahr 800 als eine Art Raststation, um sich auf seine Reisen durch das Reich an diesen Orten stärken und ausruhen zu können.

Czichelski: „Im frühen und hohen Mittelalter gab es keine festen Residenzen, sondern der König war mit seinem Hofstaat fast immer auf Reisen. Dieses gilt insbesondere seit der Zeit König Karls des Großen. Bei dem Umfang der Reisegesellschaft, bei den schlechten Wegen und anderen Widrigkeiten konnten an einem Tag nicht mehr als 25 bis maximal 30 Kilometer zurückgelegt werden. Deshalb war es notwendig, Rastplätze in relativ dichter Abfolge zu haben. Dazu dienten die Königshöfe, natürlich auch die Königspfalzen, ebenso kirchliche Einrichtungen wie Klöster und Abteien, aber auch Adelssitze.“

Der historische Befund

Czichelski beschreibt den Königshof als eine Anlage aus drei Teilen. Herzstück sei die Anlage auf dem Gelände der Aegidienkirche gewesen, die erst später gebaut wurde. Dort an der heutigen Burgstraße sieht der Historiker die Anlage mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und einer Kapelle, die von einer Mauer umgeben war. Zum Schutz des Königshofes habe es eine Befestigungsanlage, eine Burg, an der Werrafurt gegeben, etwa dort, wo heute das Welfenschloss steht. Die heutige Burgstraße ist die alte Verbindung zwischen den beide Orten.

Der dritte Teil der Anlage ist das Gelände zwischen dem Aegidienhügel und dem heutigen Bahnhof. Dort habe es Lagerplätze gegeben, die neben den festen Gebäuden benötigt wurden, um für die königliche Reisegesellschaft auch Zelte aufzustellen. Czichelski geht von einem Tross von 100 bis 1000 Personen aus, die den Herrscher auf seiner Tour begleitet haben. An dieses Areal angrenzend befanden sich große landwirtschaftlich genutzte Flächen zur Versorgung des Hofes. Noch heute weisen Flurnamen auf den damaligen Königshof hin.

Die Aufarbeitung 

Czichelskis Sachbuch ist auch für alle gut verständlich, die sich mit dem historischen Münden nicht so gut auskennen. Schritt für Schritt erläutert er den Weg, wie er zu seinem Ergebnis gekommen ist.

Der Freiburger Historiker Prof. Dr. Thomas Zotz schreibt im Vorwort: „Für die Erforschung der Pfalzen und Königshöfe im Reich des frühen und hohen Mittelalters kann das neue Buch von Martin Czichelski in seiner Zusammenschau und Diskussion der Befunde aus verschiedenen methodischen Disziplinen als wichtiger weiterer Baustein zur Abrundung unserer Kenntnis von den Grundlagen mittelalterlicher Königsherrschaft gelten. Zugleich schärft es die Konturen der frühen Geschichte von Hannoversch Münden.“

Das Werk 

Martin Czichelskis Werk „Königshof Münden“ ist erschienen in der Reihe Sydekum-Schriften zur Geschichte der Stadt Hann. Münden, herausgegeben vom Heimat- und Geschichtsverein Sydekum zu Münden. Es ist zum Preis von 14,90 Euro im Handel erhältlich (156 Seiten mit Karten, Zeichnungen und Bildern, ISBN 978-3-925451-43-0. ). Czichelski (78), von Beruf Bankkaufmann, forscht seit rund 30 Jahren zur Mündener Geschichte und hat bereits mehrere Bücher dazu veröffentlicht.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.