Nephrologisches Zentrum: Übergabe an Käufer steht bevor

Fortschritt: Die Bauarbeiten zur Erweiterung des Nephrologischen Zentrums Niedersachsen am Vogelsang zum Klinikum Hann. Münden kommen gut voran. Links das künftige Bettenhaus. Foto: Krischmann

Hann. Münden. Der Insolvenzverwalter der zahlungsunfähigen Arbeiterwohlfahrt Gesundheitsdienste (AWO GSD) arbeitet gemeinsam mit dem Vertreter der Investorengruppe, Dr. Reinhard Wichels, daran, den Verkauf der im Vertrag enthaltenen medizinischen Einrichtungen zeitnah über die Bühne zu bringen.

Die Einrichtungen sind das Nephrologische Zentrum Niedersachsen (NZN) in Hann. Münden und die Deister-Süntel-Klinik in Bad Münder sowie die Rehabilitations- und Präventionsgesellschaft. Zu dieser gehört auch das Physikalische Therapie Zentrum (PTZ) am Gesundheitszentrum Vogelsang.

„Wir hoffen, im Laufe des Februars die Einrichtungen an den Käufer übergeben zu können“, sagte auf Nachfrage der HNA Wirtschaftsjurist Michael Schütte, Mitarbeiter im Büro des Insolvenzverwalters Dr. Rainer Eckert (Hannover).

Schütte erläuterte, dass das im Kaufvertrag enthaltene Vermögen - das sind die genannten Einrichtungen - erst dann auf Dr. Wichels übergehe, wenn alle im Vertrag aufgeführten Vollzugsvoraussetzungen erfüllt sind.

Eine zentrale Bedingung, die noch erfüllt werden muss, ist das Zustandekommen eines Sanierungstarifvertrags. Sanierungstarifvertrag bedeutet, dass die Beschäftigten über einen festgelegten Zeitraum zur Sanierung des Unternehmens finanziell beitragen sollen. Darüber verhandelt die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di aus Göttingen mit dem künftigen Arbeitgeber. Im Dezember waren Eckpunkte vereinbart worden.

Mit dem Vertreter der neuen Eigentümer, eine Investorengruppe aus der Medizintechnik, sei vereinbart worden, dass die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wie vorgesehen am 1. Februar ihre Arbeit aufgenommen hat. Wichels habe der Regelung zugestimmt und eine entsprechende Vereinbarung mit dem Insolvenzverwalter geschlossen, auch wenn nicht, wie vertraglich vereinbart, 95 Prozent der befragten Mitarbeiter in die Transfergesellschaft gewechselt sind, sondern nur rund 85 Prozent.

Die in die Transfergesellschaft eingetretenen Beschäftigten werden nach Schüttes Worten von einem spezialisierten Team geschult und fortgebildet mit dem Ziel, den jeweiligen Arbeitnehmer auf der Grundlage seiner Qualifikation in den Arbeitsmarkt zu vermitteln. Die Mitarbeiter erhalten während eines Zeitraums der doppelten gesetzlichen Kündigungsfrist, das sind maximal sechs Monate, 80 Prozent des ursprünglichen Gehaltes und zusätzlich eine Eintrittsprämie, die sich an der Betriebszugehörigkeit bemisst.

Durch die Summe von 600 000 Euro, die das Land Niedersachsen und der Landkreis der Transfergesellschaft zugesagt haben - je 300 000 Euro für beide - erhöht sich die Eintrittsprämie für die mehr als 80 Beschäftigten.

Julia Niekamp, zuständige Gewerkschaftssekretärin von Ver.di aus Göttingen, sagte, den Betriebsräten der AWO GSD sei es in den Verhandlungen gelungen, dass mit dem Unternehmen Futura aus Hannover eine erfahrene, arbeitnehmernahe Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft ausgewählt wurde. Dass von den 97 in Frage kommenden Mitarbeitern an den Standorten Hann. Münden und Bad Münder sich mehr als 80 bereiterklärt haben, in die Transfergesellschaft zu wechseln, sei eine gute Quote, so Niekamp. Üblich sei eine Beitrittsquote von 70 Prozent. Die Beschäftigten werden nach Auskunft der Gewerkschaftssekretärin in den Räumen des Krankenhauses Hann. Münden in der Burckhardtstraße geschult.

Zum Jahreswechsel 2016/2017, so die Planung, soll der Ausbau des Nephrologischen Zentrums Niedersachsen (NZN) zum Klinikum Hann. Münden abgeschlossen sein. Im Dezember waren die Mitarbeiter des Krankenhauses Hann. Münden in die Klinik am Vogelsang umgezogen. Die rot-grüne Landesregierung hat einen Betrag von 34 Millionen Euro für die Erweiterung des Krankenhauses bereitgestellt. Die Regierung knüpfte daran die Bedingung, dass der neue Eigentümer die medizinische Grund- und Regelversorgung sicherstellt.

Die medizinische Versorgung am NZN läuft regulär weiter, auch die Notfallversorgung ist durch die Ärztliche Notdienstzentrale im Gebäude des NZN am Vogelsang sichergestellt. Die niedergelassenen Ärzte aus dem Altkreis Münden und Reinhardshagen betreiben die Notdienstzentrale. (kri)

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