Haussegen hängt schief

Streit um Bootsführerscheine bei Mündener Feuerwehr

Hann. Münden. Auf der Führungsetage der Freiwilligen Feuerwehr in Hann. Münden hängt der Haussegen schief. Es geht um die Frage, ob auch Aktive der Feuerwehren in den Mündener Ortsteilen für Rettungseinsätze auf den Flüssen einen Motorbootführerschein erwerben sollen.  

Oder ob dies den Einsatzkräften der Kernstadtfeuerwehr vorbehalten sein soll. Ortsbrandmeister Eike Schucht und sein Stellvertreter Stefan Rasche waren bei der Jahreshauptversammlung am Samstag auf das Thema eingegangen.

KERNSTADT ODER ORTSTEILE 

Mitte 2014, so schreiben Schucht und Rasche in ihrer Mail, habe die Führung der Ortsfeuerwehr bei der Stadtverwaltung den Erwerb von 15 Motorbootführerschein beantragt. Die Führerscheine seien notwendig, um die Wasserrettung in Hann. Münden an 365 Tagen im Jahr sicherzustellen, das Motorboot sei bei der Ortsfeuerwehr stationiert.

Es seien 15 Lehrgänge genehmigt worden, was Schucht und Rasche freut. Allerdings, und das stößt auf bei ihnen auf Widerstand, solle die Kernstadtfeuerwehr nur fünf der 15 Führerschein-Kurse erhalten. Die restlichen zehn Führerscheine sollen nach dem Willen der Verantwortlichen an fünf Feuerwehren in Mündener Ortsteilen verteilt werden. Das können Schucht und Rasche nicht nachvollziehen, da in den Ortsteilen gar kein Motorboot vorhanden sei. Auch stünden diese Führerscheinbewerber aus anderen Ortsteilen bei einem Wasserrettungsalarm nicht zeitnah zur Verfügung, argumentiert das Führungsduo der Kernstadtfeuerwehr.

Mehrfach geäußerte Wünsche nach einem Gespräch über das Thema seien von Bürgermeister Harald Wegener und Stadtbrandmeister Dieter Röthig abgelehnt worden, sagen Schucht und Rasche. Deshalb habe die Spitze der Ortsfeuerwehr den Weg an die Öffentlichkeit gesucht.

WER ZAHLT WAS? 

Es komme hinzu, so der Ortsbrandmeister und sein Vize, dass die Führerscheinbewerber das Ausbildungsmaterial selbst bezahlen sollen, was etwa ein Drittel der Gesamtkosten ausmache. Da seit fast zwei Jahren nur zwei Bootsführer in der Kernstadtfeuerwehr zur Verfügung stehen, habe der Ortsbrandmeister fünf Führerscheinlehrgänge, die erst noch absolviert werden müssen, aus eigener Tasche finanziert.

Stadtbrandmeister Dieter Röthig erklärte gegenüber der HNA, er stehe zu seiner Entscheidung, mit der Bürgermeister Wegener einverstanden sei. Im übrigen sei die von Schucht und Rasche genannte Zahl von fünf Führerscheinlehrgängen falsch, die Kernstadtfeuerwehr erhalte vielmehr acht. Röthig begründete seine Entscheidung damit, dass alle Feuerwehren in den Orten an den Flüssen, also Hemeln, Gimte, Oberode, Hedemünden und Bonaforth, Motorbootsführer haben müssen. Das halte er für erforderlich, um bei Wasserrettung flexibler zu sein. Er könne nicht nur die Interessen der Kernstadtfeuerwehr im Blick haben, sondern sei für alle Ortsfeuerwehren verantwortlich.

VOM ORTSTEIL IN DIE STADT

Dass die Kernstadtfeuerwehr nunmehr acht Führerscheinlehrgänge besetzen könne anstatt ursprünglich fünf, bestätigte auf Nachfrage der stellvertretende Ortsbrandmeister Stefan Rasche. Der Grund sei, dass in einem Fall die Bonaforther Wehr drei, so Dieter Röthig, ihr zugewiesene Führerscheinlehrgänge an die Ortsfeuerwehr Münden abgegeben habe.

Das sagt Bürgermeister Wegener

Verteilung sachgerecht erfolgt

"Zur Sache ist zu sagen, dass die Verteilung der Führerscheine durch Dieter Röthig sachgerecht erfolgt ist. Alle Ortsfeuerwehren, die direkt an einem Fluss liegen, erhalten entsprechend einer festen Quote Führerscheine zugeteilt. Die Feuerwehr der Kernstadt erhält nach meinem Kenntnisstand inklusive der fünf gespendeten aktuell 13 Bootsführerscheine. Einzelne mögen diese Entscheidung anders beurteilen, es ist aber nicht deren Aufgabe, sondern die des Stadtbrandmeisters, hier eine Entscheidung zu treffen. Wo der Eigenanteil von 30 Prozent herkommen soll, ist mir nicht erklärlich. Die Teilnehmer an der Ausbildung sollen das Ausbildungsmaterial (Lehrbuch rund 24 Euro und Prüfungsbögen rund 16 Euro bis 40 Euro) selber tragen. Die Prüfungsfragen können auch beim Wasserschifffahrtsamt online und kostenlos heruntergeladen werden. Ich denke, dieser marginale Eigenbetrag kann jedem/r Feuerwehrkamerad/in als Interessenausgleich zugemutet werden.“

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