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Inobhutnahme: Jugendamt hat gesetzliche Fristen eingehalten

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Von: Bettina Sangerhausen

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Hann. Münden. Das Jugendamt in Hann. Münden habe in dem Fall, der jüngst vor der Außenstelle im Auefeld zu Protesten geführt hat, alle gesetzlichen Fristen eingehalten. Das bestätigte Dr. Wilfried Kraft, Leiter des Mündener Amtsgerichts, auf HNA-Nachfrage.

Wenn ein Kind sich selbst an das Jugendamt wendet und darum bittet, in Obhut genommen zu werden, dann müsse das Jugendamt dieser Bitte nachkommen. Das Kind braucht in dieser Situation nicht einmal Gründe für seine Bitte zu nennen, es reicht der ernst gemeinte Wunsch.

Im Paragraf 42 des Sozialgesetzbuches 8 - Kinder- und Jugendhilfegesetz - heißt es: „Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn 1. das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet oder 2. eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert“. In dem aktuellen Fall, so haben weitere Recherchen ergeben, hatte das Mädchen selbst darum gebeten, aus der Familie geholt zu werden.

Das Jugendamt könne an dieser Stelle in eigener Zuständigkeit handeln, so Richter Kraft. Um die jüngeren Geschwister des Mädchens in Obhut zu nehmen hatte, wie berichtet, das Jugendamt beim Familiengericht dennoch zusätzlich eine einstweilige Anordnung beantragt. Basis für diesen Antrag waren die Aussagen des Mädchens.

Diese Anordnung wurde erteilt, damit konnte das Jugendamt die Kinder auch gegen den Willen der Erziehungsberechtigten abholen. Sind Kinder dann in einer entsprechenden Einrichtung oder bei einer Person untergebracht - also: in Obhut genommen - so muss das Jugendamt während dieser Inobhutnahme alles weitere klären und veranlassen: „Das Jugendamt hat während der Inobhutnahme die Situation, die zur Inobhutnahme geführt hat, zusammen mit dem Kind oder dem Jugendlichen zu klären und Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung aufzuzeigen“, heißt es im Jugendhilfegesetz weiter.

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Kinder auf deren eigenen Wunsch möglichst schnell aus ihrer Familie herauszuholen, habe durchaus einen Sinn, skizziert Richter Kraft die allgemeine Rechtslage. Es bestehe die Gefahr, dass sie in der Familie unter Druck gesetzt werden und ihre Aussage zurückziehen. Wenn es in einem Fall zum Beispiel um Schläge geht, dann hat das Kind nur unter Begleitung Kontakt zu den Eltern.

In dem in Hann. Münden öffentlich angeprangerten Fall hat das zehnjährige Mädchen über What’s App Kontakt zur Mutter, wie die Großmutter berichtete.

Ob ein Kind in staatlicher Obhut bleibt oder - gegebenenfalls begleitet durch entsprechende Hilfen - in seine Familie zurückkehren kann, wird im weiteren Verlauf vor dem Familiengericht entschieden.

So ist auch der Ablauf im akuten Fall: Die beiden älteren dieser drei Kinder wurden diese Woche angehört, jedes mit einem Anwalt als Verfahrensbeistand an seiner Seite. Danach folgt eine Verhandlung vor Gericht, in der Eltern und eventuell Zeugen zu Wort kommen. Diese Verhandlungen sind nicht öffentlich.

Ist die Familie mit der Entscheidung des Familiengerichtes nicht einverstanden, kann sie das Oberlandesgericht anrufen. (tns)

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