Ab Mitte 2014 Modellversuch in zwei Gemeinden geplant

Kreis steigt in das Altkleidergeschäft ein

Gemeinnützige Organisationen wie hier das DRK in Mainz stellen Container auf, in denen Altkleiderspenden gesammelt werden. Aber auch viele kommerzielle Sammler tummeln sich auf dem profitablen Markt. Jährlich werden in Deutschland 750 000 Tonnen Altkleider gesammelt, die Menge entspricht einer Kolonne von Lkw von München bis Kiel. Foto: dpa

Landkreis Göttingen. Der Landkreis Göttingen will in das Altkleidergeschäft einsteigen. Ingo Ludewig, Mitarbeiter des Landkreis-Umweltamtes stellte am Mittwochnachmittag dem Umweltausschuss das Konzept für einen Modellversuch vor.

Dieser soll im zweiten Halbjahr 2014 starten, sagte Umweltamtsleiter Norbert Schulz. In Kürze würden Gespräche mit den Gemeinden und Hilfsorganisationen wie DRK und Caritas geführt werden. Geplant ist, rote, transparente Plastiksäcke an die Haushalte zu verteilen. Die Altkleidersäcke sollen entweder bei der Sperrmüllabfuhr oder bei der Entsorgung des Altpapiers mit abgeholt werden. Die Säcke mit dem Sperrmüll abzuholen, hielt Ausschussmitglied Dr. Uwe Heinze (SPD) für keine gute Idee. Er sehe die Gefahr, dass die Kolonnen gewerblicher Sperrmüllsammler die Altkleidersäcke aufreißen und die Sachen dann auf der Straße liegen bleiben.

Der Kreis will die Altkleidersammlung in zwei Gemeinden testen. Zum einen soll eine Gemeinde ausgewählt werden, in der gewerbliche und gemeinnützige Altkleidersammler Container aufgestellt haben, zum anderen eine Kommune, in der nur kommerzielle Sammler mit Containern vertreten sind.

Der Landkreis verfolge mit dem Modellversuch mehrere Ziele, sagte Ludewig. Zunächst, Verkaufserlöse zu erzielen, die den Gebührenzahlern zugute kommen. Der Abfallberater machte eine Beispielrechnung auf: Bei einer Erfassungsquote von 50 Prozent und einem Kilopreis von 40 Cent würde der Kreis in einem Jahr rund 237 000 Euro einnehmen. Gegengerechnet werden müssen allerdings die Kosten, unter anderem für das Beziehen der Säcke und deren Verteilung.

Der Kreis wolle darüber hinaus den gewerblichen Altkleidersammlern Konkurrenz machen, sagte Ludewig. Dies mit erhofftem Nebeneffekt, dass illegal aufgestellte Container verschwinden. Ludewig machte deutlich, dass im Landkreis 42 Sammler (14 gemeinnützige und 28 gewerbliche Sammler) der Verwaltung angezeigt haben, dass sie Altkleider erfassen. Fünf agierten illegal, also ohne Genehmigung. „Kann der Kreis gegen Illegale vorgehen?“, fragte Abgeordneter Dietmar Ehbrecht (Freie Wähler). Ludewigs Antwort: Es gebe rechtliche Möglichkeiten über das Straßenrecht und das Abfallgesetz.

Abgeordnete Gudrun Surup (SPD), im DRK in Münden aktiv, äußerte Bedenken, dass der Landkreis den Hilfsorganisationen, die wie in Münden das DRK Second-Hand-Läden betreiben, das Wasser abgräbt Umweltdezernentin Christel Wemheuer versicherte,der Kreis werde keine Konkurrenz sein zu den gemeinnützigen Organisationen, sondern diese unterstützen.

Ausschussvertreter der Grünen und der SPD fragten nach, was mit den eingesammelten Altkleidern geschieht. Der Kreis dürfe es nicht an Verwerter geben, die die Altkleider in die Dritte Welt exportieren, hieß es. CDU-Abgeordnete Paetsch hingegen meinte, der Landkreis könne das nicht beeinflussen. (kri)

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