Landratskandidat Reuter: Billiger fahren mit dem Bus

Amtsinhaber: Landrat Bernhard Reuter (SPD) tritt an, um am 11. September wiedergewählt zu werden. Das Foto zeigt ihn vor dem Kreishaus in Göttingen. Foto: Krischmann

Landkreis Göttingen. „Ich will erreichen, dass die einfache Fahrt mit Bus und Bahn von Göttingen an jeden Ort im Landkreis nicht mehr als fünf Euro kostet.“  Landrat Bernhard Reuter (SPD) hat sich im Fall seiner Wiederwahl zum Ziel gesetzt, die Fahrpreise zu halbieren.

Dazu sei eine Tarifreform nötig, für die er sich einsetzen will. Niedrigere Fahrpreise bedeuten weniger Einnahmen für die Verkehrsunternehmen, woher soll das Geld für den Verlustausgleich kommen?

Reuters Antwort: Erstens bekomme der Landkreis vom Land Niedersachsen eine Million Euro zusätzlich, zweitens werde von den acht Millionen Euro, die der Landkreis 2018 vom Bund erwartet, Geld abgezweigt. Mit niedrigeren Fahrpreisen, ist der Sozialdemokrat überzeugt, fahren mehr Menschen mit Bus und Bahn. Das Angebot müsse aber ergänzt werden, etwa durch Bürgerbusse, Anruf-Sammeltaxi oder Pedelecs.

Reuter ist klar, dass der Öffentliche Personennahverkehr in einem ländlich geprägten Landkreis nicht dominant sein könne. „Die Leute wollen das Auto, weil es ein Höchstmaß an Beweglichkeit ermöglicht.“ Deshalb werde der Landkreis die Straßen in Ordnung halten, die Investitionen seien in den vergangenen Jahren gesteigert worden.

Investieren werde der Landkreis ins Radwegnetz, sagt der passionierte Radler („immer mit Helm“). Elektrofahrräder seien für Berufspendler eine Alternative, darauf wolle er reagieren, an Bahnhöfen Abstellplätze und Aufladestationen schaffen.

Mehr Angebote im öffentlichen Nahverkehr sei Voraussetzung, um den ländlichen Raum attraktiver zu machen. Das sei dringend nötig, er beobachte ein Auseinanderdriften von Stadt und Land: In Göttingen Wohnungsknappheit und hohe Mietpreise, auf dem Land Leerstand; Häuser, die unverkäuflich sind.

Spätestens 2018 werde es im Landkreis flächendeckend schnelles Internet geben, versichert der Landrat. Für die wenigen Haushalte ohne Breitbandzugang, etwa Einzelgehöfte und Streusiedlungen, würden individuelle Lösungen gefunden werden, beispielsweise per Funk. Der Kreis werde - anders als zu Zeiten eines CDU-Landrats - die Kosten für die Städte und Gemeinden übernehmen.

Ohne den Südniedersachsenplan, ein Gemeinschaftsprojekt von Land und Kommunen, gäbe es kein schnelles Internet in allen fünf südniedersächsischen Landkreisen bis zum Jahr 2018. Ebenso habe der Plan den Gesundheitscampus in Göttingen ermöglicht. Ab Wintersemester 2016/2017 würden drei neue Studiengänge mit Schwerpunkt Pflege angeboten.

Schließlich sei mit Hilfe des Landes der Südniedersachsen Innovationscampus, abgekürzt SNIC, ins Leben gerufen worden. Damit werde der Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft ermöglicht. Profitieren davon würden kleine und mittelständische Betriebe.

Zur Person

Bernhard Reuter (61), geboren in Kassel, studierte nach dem Abitur Jura, Sozialwissenschaften und Lehramt an der Uni Göttingen. Nach dem Lehramtsexamen arbeitete er als Lehrer, zuletzt als Schulleiter der Orientierungsstufe Leineberg Göttingen. Sein juristísches Staatsexamen legte er 1986 ab. 1999 wurde der Sozialdemokrat zum Landrat des Landkreises Osterode gewählt, 2006 folgte die Wiederwahl. 2011 wurde Reuter zum Landrat des Landkreises Göttingen gewählt. Der Politiker, Vater von vier erwachsenen Kindern, ist Vorsitzender des Niedersächsischen Landkreistags und Vizepräsident des Deutschen Landkreistags.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.