Bundesverkehrsministerium hat entschieden

Oberweser als wichtige Wasserstraße eingestuft

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Moritz zu Dohna-Schlodien, Bereichsleiter Agrar bei der VR Bank für Südniedersachsen. 

Hann.Münden/Dransfeld/Beverungen. Erfolg für die Oberweser: Das Bundesverkehrsministerium hat die Wasserstraße in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen.

In dem Entwurf heißt es: „Darüber hinaus erhalten Wasserstraßenrelationen, welche ausschließlich aufgrund von relevanten Sondertransporten (Schwerlast- und Volumentransporte) Bedeutung haben, eine besondere Kennung.“

Die besondere Kennung ist ein Stern, mit der die Oberweser im Plan gekennzeichnet ist. Thomas Kossert, Geschäftsführer der Weserumschlagstelle Hann. Münden Wirtschaftsförderung- und Stadtmarketing GmbH (WWS), freut sich über den Stern. Durch das gemeinsame Engagement mit der Interessengemeinschaft Oberweser, in der die WWS Mitglied ist, habe die Region in Berlin Gehör gefunden. Das gewünschte Ziel, die Einstufung in die Kategorie C, sei aufgrund der fehlenden Tonnage (nötig sind mindestens 600.000 Tonnen jährlich) zwar nicht erreicht worden. Allerdings erkenne der Bund nun die volkswirtschaftliche Bedeutung der Schwerlasttransporte auf der Wasserstraße an.

Aktuelles Beispiel ist die Kasseler Firma Schmidtsche Schack, Arvos GmbH. Ohne die Verlademöglichkeit in Münden wäre das Unternehmen auf die Straße angewiesen, angesichts vieler maroder Brücken ein riesiges logistisches Problem.

Harald Plünnecke und Dr. Peter Könemann, Vorstandsmitglieder der Interessengemeinschaft Oberweser, bewerten den Stern für die Wasserstraße als Fortschritt.

Ein Stern für die Oberweser: Die Karte zeigt die Einteilung der Wasserstraßen im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans. Die Oberweser von Hann. Münden bis Minden ist wegen der Schwerlasttransporte berücksichtigt. 

Wenn die neue Schleuse in Minden fertig ist - Ende 2016 soll das der Fall sein - können auch längere Schiffe, so genannte Schubverbände, mit Schüttgut von der Oberweser in den Mittellandkanal fahren, sagt Könemann. Damit kann die Tonnage gesteigert und damit die Botschaft an die oberste Verkehrsbehörde gesendet werden, die Oberweser nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen. „Der Stern für die Oberweser ist auch ein Verdienst des Engagements der Interessengemeinschaft Oberweser“, meint Moritz zu Dohna-Schlodien. Er leitet bei der VR-Bank für Südniedersachsen den Agrarbereich und führt Geschäfte des Lagerhauses Frehse in Beverungen.

Von dem Weserort aus wickelt die Genossenschaftsbank, die Mitglied der Interessengemeinschaft Oberweser ist, ihre Getreidetransporte über den Fluss ab. Der Stern sei ein positives Signal, allerdings für die VR-Bank nicht der große Wurf, um in größerem Umfang in den Schiffsgüterverkehr zu investieren. Bei einer Einstufung in die Kategorie C hätte das Unternehmen sich überlegt, sich ein eigenes Schiff zuzulegen oder eine Kooperation mit einem Schiffseigner einzugehen. So aber werde der Getreidetransport im bisherigen Umfang aufrechterhalten; ab November/Dezember, wenn genügend Wasser in der Oberweser vorhanden ist, würden die Schiffe mit Getreide beladen.

„Die Lage ist besser als vorher, auch wenn das Ziel Kategorie C noch nicht erreicht ist“, sagt Dr. Joachim Koch. Der Verkehrsexperte ist Geschäftsführer der Firma Railistics aus Wiesbaden, eines Fachplanungsunternehmens für Verkehr und Logistik, das die Reaktivierung der Weserumschlagstelle begleitet. Koch meint, mit einem Stern hätte Hann. Münden bei Förderanträgen bessere Chancen. Grundsätzlich sei der Standort der Weserumschlagstelle für Verladung von Schwergut geeignet, da die Zufahrt über die Autobahn 7 mit der Werratalbrücke gesichert ist.

So wie zwischen Autobahn, Bundes- und Landesstraßen sowie Kreis- und Gemeindestraßen unterschieden wird, werden im Bundesverkehrswegeplan auch Wasserstraßen aufgeteilt. Eine wichtige Grundlage für die Einstufung ist die Prognose für das Verkehrsaufkommen bis zum Jahr 2030. Die Grafik aus dem Entwurf des Verkehrswegeplans zeigt die Abstufungen.

Die Oberweser als Teil der Weser ist in keiner der drei Kategorien, weil die geforderte Tonnage von 600.000 Tonnen jährlich nicht erreicht war. Deshalb ist sie blau gekennzeichnet: außerhalb Kernnetz, aber mit einem roten Stern markiert. Damit berücksichtigt der Bund, dass von Hann. Münden Schwerlasten auf dem Schiff zu den Überseehäfen transportiert werden.

Der Bund erkennt damit aber an, dass die in der jeweiligen Region erzeugten Produkte viel wert sind und für die Hersteller sehr viel dran hängt, die Ware sicher und termingerecht zum Kunden zu bringen. Der Blick auf die Karte zeigt, dass die Oberweser mit dem Stern in prominenter Gesellschaft ist: Auch die Elbe hat an zwei Abschnitten diese Kennung. 

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