Die Politik soll weiblich werden

Hann. Münden. Vielleicht liegt es an der Vorsicht, der Reflektiertheit, den größeren Selbstzweifeln, die Frauen haben. Lena Kürschner und Isolde Salisbury denken nach. „Die Frage ist nicht leicht zu beantworten“, gestehen sie. Sie lautet: Warum gibt es so wenige Frauen in der Politik?
Die Beiden jedenfalls gehen mit gutem Beispiel voran und wollen dazu beitragen, diese Schieflage auszugleichen. Sie beteiligen sich an dem Projekt „Politik sucht Frauen“ (wir berichteten).
„Ich wollte mich eigentlich schon länger politisch engagieren“, sagt Lena Kürschner, die ihre zehnmonatige Tochter auf dem Schoß hält. „Ich wusste nur nicht so recht wie.“ Anfang des Jahres trat die Volkmarshäuserin den Grünen bei. „Das Projekt kam dann wie gerufen.“
Sie bekam eine Mentorin zur Seite gestellt: Isolde Salisbury, eine der wenigen Politikerinnen der Stadt. Bereits seit 1996 ist die Grünen-Politikerin im Stadtrat und im Laubacher Ortsrat vertreten, jetzt führt sie Kürschner in diese Welt ein. „Wir denken immer wieder über Nachwuchs nach. Das Gros der Abgeordneten ist über 50 Jahre“, schätzt sie. „Und man selbst will ja auch nicht bis 90 aktiv sein.“ Sie lacht.
Soziale Kompetenz
Gute Gründe, warum mehr Frauen die Kommunalpolitik mitbestimmen sollten, fallen den beiden viele ein: „Es gibt Belange, in denen Frauen häufig kompetenter sind, etwa im Bereich Soziales und Jugend sowie im Schulbereich“, sagt Salisbury. Ihr Engagement und ihre soziale Kompetenz komme den Frauen zugute. „Sie konzentrieren sich häufig auch mehr auf die eigentliche Sache. Ihnen geht es weniger darum, sich zu profilieren,“ ergänzt Kürschner.
Für die junge Frau ist der Zeitpunkt perfekt. „Nach dem Ende meines Studiums der ökologischen Agrarwissenschaft habe ich meine Tochter bekommen, um die ich mich jetzt kümmere. Diesen Einschnitt möchte ich nutzen.“ Die ehrenamtliche Tätigkeit ermögliche eine flexible Zeiteinteilung. Das kommt der jungen Mutter entgegen, die ihre Tochter Ida stets mit dabei hat. „Kinder gehören mehr in das öffentliche Bild.“ Schon an der Einführungsveranstaltung des Projekts in Hannover nahm Ida teil. „Sie ist immer sehr interessiert, und so kann ich sie gut mitnehmen.“
Kurzfristige politische Ziele hat Kürschner sich bereits gesetzt: „Ich möchte in den Stadtrat – gern auch schon im nächsten Jahr.“ Derzeit begleitet sie Salisbury zu Sitzungen, knüpft Kontakte, arbeitet sich in Themen ein. „Vorher habe ich gelernt, wie der politische Apparat Hann. Münden funktioniert.“
Auch eigene politische Ideen hat die Nachwuchspolitikerin schon: „Die Nahverkehrsverbindungen zu Unternehmen müssen verbessert werden. Ich denke etwa an eine Buslinie zu SMA, damit wir noch mehr arbeitende Bevölkerung nach Münden bekommen.“ Zudem schlägt sie vor, den Nahverkehr über eine geringe Abgabe aller Bürger zu finanzieren. „Ich finde das toll“, lobt Salisbury, „Lena hat den Mut, ihre Gedanken auszusprechen.“
Von Alexandra Müller