Mit 600 Schafen durch Staufenberg

Wanderschäfer aus Leidenschaft: „Kalt“ ist es erst ab minus 20 Grad

Staufenberg. Frank Plötzer arbeitet das ganze Jahr draußen: Er ist Wanderschäfer aus Leidenschaft. Aktuell zieht er mit 600 Schafen und zwei Hunden von Escherode über Benterode nach Landwehrhagen.

„Das muss man schon wollen, sonst hält man diesem Beruf nicht Stand“, sagt Plötzer, der aus Günsterode bei Melsungen stammt. Dennoch kann er sich keinen besseren Job als die Wanderschäferei vorstellen.

Seit 16 Jahren zieht der 57-jährige mit den Schwarzkopfschafen von Schäfer Hubert Dissen (Kassel) von Melsungen über das Stiftgut Kaufungen nach Staufenberg. In den Wintermonaten sucht der Wanderschäfer geeignete Futterstellen entlang der hessischen und niedersächsischen Landesgrenze.

 Bei Fuß laufen seine selbst gezüchteten, altdeutschen Hütehunde Sepp und Ed, die ihm einen Teil der Arbeit abnehmen. Arbeitsam und immer wachsam behalten sie die Herde im Blick, treiben sie je nach Anforderung zusammen oder auseinander und achten darauf, das kein Schaf verloren geht.

Besonders knifflig sind die Übergänge im Straßenverkehr. Hier zeigt sich, wie gut das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier funktionieren muss.

Welche Flächen die Schafe beweiden dürfen, weiß Frank Plötzer aus langjähriger Erfahrung. Immer wieder kommen neue Wiesenbesitzer auf ihn zu, die den natürlichen Dünger begrüßen. „Meist sind es die Pferdewiesen, die wir beweiden sollen. Die Schafe trampeln die Hufabdrücke platt und ebnen damit die Fläche“, so Plötzer.

Es gibt aber auch Landwirte, die es nicht gerne sehen, wenn Frank Plötzer unterwegs ist - aber das seien die wenigsten.

Neben dem Weiden stehen täglich Arbeiten wie das Klauenschneiden an. Zweimal im Jahr werden die Tiere geschoren und die Wolle verkauft. Wirtschaftlich sei das nicht, aber man könne die Kosten des Scherens in etwa decken, so Plötzer. Damit die Tiere gut über den Winter kommen, bekommen sie zusätzliches Mineralfutter.

Etwa 450 Lämmer sind in den vergangenen sechs Wochen geboren worden, darunter etwa 15 Prozent Mehrlingsgeburten. Das bedeute erhöhtes Arbeitsaufkommen, bei dem auch Hubert Dissen täglich zur Herde hinaus fährt. Er verlädt die Lämmer mit den Muttertieren, und bringt sie in den Stall. Für die Kleinen wäre das Laufen zu anstrengend.

Das Gegenteil von Bürojob: Wanderschäfer

Im Juni ist die zweite Lammzeit. Binnen zwei Jahren lammen die Schafe der Schäferei im Durchschnitt drei Mal.

Viel braucht Frank Plötzer nicht, wenn er mit seiner Herde zieht. Einen wärmenden Lodenmantel, einen guten Hut der Regen abhält und seine Schäferschippe hat er immer dabei. Von kalt redet er erst, wenn die Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius sinken. „Dann frieren die Finger“, so Plötzer.

Von Silke Kuri

Rubriklistenbild: © Kuri

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.