Tschernobyl-Mahnwachen in Hann. Münden und Dransfeld

Dransfeld/Hann. Münden. Atokraftwerke abschalten sit der einzige Weg, die Gefahr zu bannen. Das machten Mahnende in Hann. Münden und Dransfeld am Dienstag deutlich.

30 Jahre nach der Katastrophe in Tschernobyl und fünf Jahre nach der in Fukushima werde es Zeit, dass die acht in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerke (AKW) stillgelegt werden, sagte Ernst Achilles-Wengel von der Initiative, die in Dransfeld zur Mahnwache aufgerufen hatte. Käme es im Reaktor in Grohnde zum GAU - zum „größten anzunehmenden Unfall“ - dann läge der Altkreis Münden im Sperrgebiet, das evakuiert werden würde.

Das Kapitel Tschernobyl sei noch nicht beendet, gerade werde ein neuer Sarkophag für das havarierte AKW gebaut, erinnerte Achilles-Wengel. Dieser neue Deckel solle 100 Jahre halten - man rechne also damit, dass es noch sehr lange dauere, bis man die Lage in den Griff bekommt. In Japan konnten über 100 000 Menschen noch nicht in ihre Heimat zurückkehren.

Die Bundesregierung bremse derzeit den Atomausstieg, kritisiert Achilles-Wengel, und er sieht das Problem, dass womöglich die Rücklagen der Energiekonzerne nicht ausreichen werden, die Reaktoren zurückzubauen. Und selbst, wenn alle AKW in Deutschland abgeschaltet würden, stellten die Schrottreaktoren in den Nachbarländern weiterhin eine Gefahr dar.

Die Endlagersuche für Atommüll verlaufe erfolglos, er hoffe, dass nicht Gorleben als Vorschlag aus der Mottenkiste geholt werde - nicht, nachdem man in der Asse gesehen habe, was in einem Salzlager mit dem Müll passieren kann. Es sei wichtig, die Versorgung durch erneuerbare Energien weiter auszubauen und weniger Energie zu verbrauchen, so Achilles-Wengel weiter. Die Verbraucher ruft die Initiative auf, auf Ökostrom umzusteigen. Und: „Ohne effektive Anstrengungen zur Reduktion des Stromverbrauchs“ werde die Energiewende nicht zu schaffen sein.

In Hann. Münden hatte der Arbeitskreis Ökostrom zur Mahnwache aufgerufen. Beim anschließenden ökumenischen Abendforum in der St. Blasius-Kirche ging Pastor Andreas Risse auf den 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe ein. „Man kann die Strahlen nicht sehen, und der Mensch vergisst schnell“, sagte er. Das Abendforum solle dazu dienen, nicht zu vergessen und alternative Wege zur Energieerzeugungen aufzuzeigen. Bürgermeister Wegener betonte, es gebe noch genügend Raum zum Energiesparen; zwei Atomkraftwerke liefen allein deshalb, weil Elektrogeräte auf Standby geschaltet sind. Eindrücklich berichtete Ingrid Rathgeber, Vorsitzende des Vereins „Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl“, aus ihrer Arbeit.

Noch bis 8. Mai ist jeweils von 11 bis 17 Uhr in der St.- Blasius-Kirche die Foto-Ausstellung „Lebenslang“ des Fotografen Rüdiger Lubricht zu sehen. Er zeigt junge Menschen, die ihr Leben lang an den Folgen der Katastrophe zu leiden haben. (tns/kri)

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