Auch Kasseler sind betroffen

Angebliche Spendensammler treiben ihr Unwesen

Hann. Münden. Sie geben vor, nicht hören und sprechen zu können und beispielsweise für ein „internationales Zentrum“ Geld zu sammeln: In der Mündener Innenstadt fielen Donnerstag und Freitag Spendensammler auf, die angaben, im Auftrag von Handicap International unterwegs zu sein.

Aber: „Diese Personen kommen nicht von uns“, sagt Dr. Eva Maria Fischer, Pressesprecherin der Organisation. Seit Monaten träten betrügerische Sammler in verschiedenen Städten in Erscheinung, „sie missbrauchen unseren Namen und schaden uns wirklich sehr“, so Dr. Fischer.

Handicap International sammle nicht an Haustüren, und wenn überhaupt auf der Straße um Spenden gebeten werde, dann nur in Zusammenhang mit größeren Aktionen – zum Beispiel macht der Verein immer wieder gegen den Einsatz von Landminen mobil, erläutert Dr. Fischer. „In erster Linie verschicken wir Spendenaufrufe per Brief, und wir haben eine Spenderdatenbank.“

Die DIN-A-4 großen Formulare, die die Straßensammler den Angesprochenen vorhalten, sind nicht gerade professionell gemacht: Eine Liste, überschrieben mit einigen Zeilen in Großbuchstaben, die über den Hintergrund der Sammlung wenig aussagen, teilweise mit Fehlern in der Rechtschreibung. Auf ihrer Website hat die Organisation eines der Formulare abgebildet (http://www.handicap-international.de). Das Logo von Handicap International ist darauf kopiert, auf einigen prange auch das des Deutschen Gehörlosenbundes, der sich seinerseits ebenfalls von dieser „Art des Spendensammeln im Wegelagerer-Stil“ distanziert, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Auf einem Formular, das ein Sammler in Hann. Münden vorzeigte, standen Spender mit Adressen in Kassel. Gehörlos seien die Sammler vermutlich nicht, sagt Dr. Fischer: „Wir wurden schon von Menschen angesprochen, die selbst die Gebärdensprache können und denen aufgefallen war, dass diese Spendesammler sie nicht beherrschten. Manche haben auch plötzlich etwas gesagt, wenn sie angesprochen wurden.“ Es sei der Polizei mehrfach gelungen, die falschen Sammler festzunehmen, doch meistens handelte es sich um Minderjährige, sagt Pressesprecherin Fischer, „da hat die Polizei wenig Handhabe.“

Handicap International ist ein eingetragener Verein. Er setze sich in über 60 Ländern mit 250 Projekten für Menschen mit Behinderung ein, insbesondere in Kriegs- und Krisengebieten, so die Selbstbeschreibung. Einen Schwerpunkt bilde das Engagement für das Verbot von Landminen und Streubomben. Sitz des Vereins ist in München. (tns)

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