„Wir fühlen uns hilflos“: Poller erschwert den Alltag

Schwierig geworden: Bisher fuhr Rolf Jodeit mit dem Wagen zum Be- und Entladen bis vor die Tür des Hauses, in dem er wohnt, obwohl der Weg ein Fußweg war. Jetzt hat die Stadt einen Poller aufgestellt. Fotos: Maaß

Hann. Münden. 89-jähriger Bewohner beklagt die Situation am Alfred-Hesse-Weg, dieser ist am Hang oberhalb der Stadt.

Sigrid und Rolf Jodeit fühlen sich nur noch hilflos. Das Seniorenehepaar im Alter von 85 und 89 Jahren, beide stark gehbehindert, wohnt am Hang oberhalb der Stadt Hann. Münden am Alfred-Hesse-Weg.

Bis vor einigen Monaten konnte Rolf Jodeit mit seinem Wagen zum Be- und Entladen bis vor das Haus Nummer 31 fahren, in dem er mit seiner Frau seit über 20 Jahren zur Miete wohnt. Auch andere Anwohner hätten davon Gebrauch gemacht, die wie er sonst ihre Wagen unterhalb des Weges abstellten.

Es sei eine Regelung „nur für die Anwohner gewesen“, für die der Weg die einzige Zufahrt zu ihren Häusern ist. Sogar Möbelwagen hätten in der Vergangenheit den Weg genutzt. Niemand habe dies beanstandet, obwohl der Weg offiziell nur ein Fußweg sei.

Für die Anwohner wurde diese Möglichkeit zunehmend wichtiger, je älter sie wurden. Sigrid Jodeit, die zudem kaum noch sehen kann, schafft den etwa 75 Meter langen Weg den Hang hinauf so gut wie gar nicht mehr, und wenn, dann nur noch unter Schmerzen, wie sie sagt. Sie ist darauf angewiesen, dass ihr Mann sie fährt.

Neue Situation

Seit einigen Monaten besteht diese Möglichkeit nicht mehr, weil unklar ist, ob der Weg, der den Hang hinaufführt, noch standsicher ist. Deswegen haben die Kommunalen Dienste Hann. Münden (KDM), die für die Bauunterhaltung zuständig sind, in die Mitte des Weges einen Poller gesetzt, um den Weg für Fahrzeuge zu sperren, während ein Geologe den Hang untersucht. Auslöser der Hangüberprüfung ist eine Mauer an einem Grundstück gewesen, die eingestürzt ist.

Den Hang im Blick

Derzeit warten die KDM auf das Ergebnis des geologischen Gutachtens zur Standsicherheit des Alfred-Hesse-Weges. Es sei kurz vor der Fertigstellung, sagt Michael Merle von den KDM. Um zu verhindern, dass Wagen in den möglicherweise unsicheren Weg fahren, sei der Poller gesetzt worden.

An der Hangseite wurde zudem das Geländer entfernt und ein Bauzaun aus Draht aufgestellt. Ein zusätzliche Schwierigkeit für die Fußgänger, wenn sie sich festhalten müssen. „Man hängt daran wie ein Affe“, sagt Rolf Jodeit.

Das Geländer habe abgebaut werden müssen, weil es nicht auf städtischem Gelände gestanden habe, sagt Michael Merle. Es werde wieder errichtet. Aber jetzt müsse erstmal das Gutachten vorliegen. „Wir warten händeringend darauf.“

Die Sicht der Stadt

Für die Stadt Hann. Münden ist die rechtliche Situation des Weges immer eindeutig gewesen. „Der Weg war schon immer ein Fußweg. Be- und Entladen war nicht erlaubt“, sagt Martin Böhmer vom Bereich Sicherheit und Ordnung der Stadt.

Die Lage für die Feuerwehr

Für die Freiwillge Feuerwehr und Rettungsdienste habe sich die Situation nicht geändert, sagt Nicole Prediger, Leiterin des Bereichs Stadtentwicklung. Der Weg sei immer nur als Fußweg ausgewiesen gewesen, und als solcher auch nur für die Einsatzkräfte nutzbar.

Von Ekkehard Maaß

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