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Nach Bluttat von Calden: Kein "Staatsgeheimnis" aus Flüchtlingslager machen

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Von: Göran Gehlen

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Calden. Die Bluttat von Calden erfasst die politische Debatte: Der Caldener und Ex-Landrat Udo Schlitzberger (SPD) wendet sich in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten.

Gleichzeitig haben mehrere SPD-Abgeordnete im Landtag eine Liste mit Fragen dazu an das Land gerichtet.

Bei dem Vorfall vor knapp zwei Wochen hatte der mutmaßliche Täter seinen Kollegen, einen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes im Flüchtlingslager Calden, erschossen. Schütze und Opfer wurden von der Polizei zwischen Ehrsten und Fürstenwald gefunden. Infolge der Tat hatten sich Mitarbeiter des Lagers gemeldet und die Zustände dort kritisiert.

Das Tötungsdelikt werfe „ein Schlaglicht auf

Udo Schlitzberger Archivfoto: zhf
Udo Schlitzberger Archivfoto: zhf

strukturelle Probleme in und mit dieser Einrichtung, die mich als Caldener Bürger wie viele meiner Mitbürger mit Sorge erfüllen“, schreibt Udo Schlitzberger an den Ministerpräsidenten. Offensichtlich könne die Sicherheit in und um das Caldener Erstaufnahme-Lager von den vom Land Hessen beauftragten und bezahlten Firmen nicht angemessen gewährleistet werden.

Keine fremde Security

„Ich frage mich, warum Security-Kräfte aus dem Rhein-Main-Gebiet, partiell nicht einmal der deutschen Sprache mächtig, im nordhessischen Calden eingesetzt werden“, kritisiert der frühere Landrat. Im Raum Kassel gebe es bewährte und für ihre Zuverlässigkeit bekannte Security-Firmen. „Der Kreis Kassel beschäftigt diese Unternehmen in seinen Einrichtungen und ist mit ihrer soliden Arbeit zufrieden. Ich empfehle dringend, diese auch in Calden einzusetzen.“ Auch Schlitzberger stellt die Frage, wie trotz strenger Sicherheitsprüfungen ein „auffälliger, labiler, von Pharmaka beeinflusster Mensch in einer sensiblen Einrichtung des Landes als Sicherheitskraft beschäftigt werden kann“. Damit meint er den 25-Jährigen, der als Sicherheitsmann im Caldener Lager gearbeitet hatte und nun als mutmaßlicher Schütze in U-Haft sitzt. Er soll vor knapp zwei Wochen seinen 35-jährigen Kollegen erschossen haben.

Unzureichende Antworten

Schlitzberger kritisiert die bisherigen Antworten des Landes dazu: Während die Sicherheitsfirmen schweigen, hatte das Regierungspräsidium erklärt, keine Kenntnisse von Problemen vor der Tat mit dem mutmaßlichen Täter zu haben. „Die bislang über die Presse bekannt gewordenen Äußerungen verantwortlicher staatlicher Stellen und der beauftragten Firma empfinde ich als völlig unzureichend, um nicht zu sagen peinlich“, so Schlitzberger.

Grundsatzkritik

Um vielen Gerüchten und diffusen Ängsten entgegentreten zu können, bedürfe es Offenheit und Transparenz - auch im Bezug auf die Erstaufnahmeeinrichtung. Viele Bürger und Kommunalpolitiker in Calden beklagten, dass der seit Monaten mit hohem Aufwand betriebene Ausbau von den dafür Verantwortlichen wie ein „Staatsgeheimnis“ behandelt werde. Die Öffentlichkeit habe ein Recht auf Information über das Engagement des Landes am alten Flugplatz.

„Bitte sorgen Sie für mehr Transparenz durch offene und systematische Kommunikation über die bereits durchgeführten und darüber hinaus geplanten Maßnahmen des Landes am alten Flugplatz“, sagt Schlitzberger.

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