35-Jähriger erschossen

Letzte Begegnung: Caldener traf mutmaßlichen Täter

Ehrsten. Nachdem am Mittwoch ein 35-Jähriger zwischen Ehrsten und Fürstenwald erschossen wurde, kommen nun immer mehr Details ans Licht.

Sowohl der Täter als auch das Opfer haben als Sicherheitskräfte im Flüchtlingslager am alten Flughafen in Calden gearbeitet - soviel ist inzwischen sicher. Da der 25-jährige Tatverdächtige erst vor einigen Wochen nach Ehrsten gezogen war, ist er dort kaum bekannt. Hinzu kommt, dass er vor allem im Nachtdienst tätig gewesen sein soll, heißt es aus seinem persönlichem Umfeld.

Von seinen Kollegen im Flüchtlingslager auf dem Flugplatz erfährt man nichts über den jungen Mann. Es habe ausdrücklich Anweisung „von oben“ gegeben, über den mutmaßlichen Schützen zu schweigen, heißt es dort lediglich.

Höflich und korrekt

Als sehr höflich, korrekt und unscheinbar wird der Mann von einem der wenigen Caldener beschrieben, die Kontakt zu ihm hatten. Demnach ist der 25-Jährige in Frankfurt aufgewachsen und durch die für die Erstaufnahme zuständige Sicherheitsfirma nach Nordhessen gekommen. „Bevor er nach Ehrsten kam, hat er in einer Baracke in Lohfelden gelebt - dort bringt die Firma ihre Leute unter“, sagt der Caldener.

Auch mit den Eltern des jungen Mannes habe er Bekanntschaft gemacht - sie hätten einen sehr anständigen Eindruck auf ihn gemacht. Der 25-Jährige käme offenbar nicht aus sozial schwachen Verhältnissen. Zuletzt hatte der Caldener Kontakt zu dem 25-Jährigen am vergangenen Freitag: „Da war er total durch den Wind, völlig wirr und übernervös.“ Auf Nachfrage, was los sei, habe er nicht reagiert. Auf angebotene Hilfe sei er nicht eingegangen.

Angeblich soll der 25-jährige häufig in der türkischen Szene der Kasseler Nordstadt unterwegs gewesen sein, heißt es von Personen aus dem Umfeld des Flüchtlingslagers. Sein 35-jähriges Opfer habe er von der Arbeit gekannt. Dieser soll dort als Schichtdienstleiter tätig gewesen sein.

Er wollte zur Bundeswehr

Für den mutmaßlichen Täter „war die Sicherheitsfirma nur eine Übergangslösung - er wollte sich bei der Bundeswehr als Berufssoldat verpflichten“, sagt der Caldener, der ihn persönlichen getroffen hat.

Das sagt das Land Hessen

Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) ist für die Verträge mit den Wachfirmen zuständig. LBIH-Sprecher Axel Marbach stellt auf HNA-Anfrage klar, dass keiner der Wachleute in einer Erstaufnahmeeinrichtung Waffen trage oder privat mit in die Einrichtungen bringe. Zudem gelte für alle eingesetzten Wachleute eine mehrstufige Prüfung: Sie müssen Qualifikationsnachweise (Ersthelfer, IHK-Ausbildung,...) und behördliche Prüfdokumente (Führungszeugnis) vorlegen. Die Mitarbeiter müssten auch zustimmen, sich von Landeskriminalamt und Verfassungsschutz durchleuchten zulassen. Ohne dieses Verfahren komplett durchlaufen zu haben, werde kein Mitarbeiter eingesetzt. Im Vertrag mit dem beauftragten Sicherheitsunternehmen Pond sei zwar der Einsatz von Kooperationspartnern (also Subunternehmern) erlaubt. Doch auch für diese gelte das Prüfverfahren.

Aufgrund der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dürfe das LBIH nichts zu der Bluttat sagen. Sobald die Sachlage aber geklärt sei, werde man „die eine oder andere Frage“ beantworten.

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