Die Catan-Zockerin: Caldenerin fährt zur Weltmeisterschaft

Nur eine kleine Auswahl: Die Caldenerin Cornelia Moritz (51) hat in ihrer Wohnung ein ganzes Regal voller unterschiedlicher Editionen des Brettspiels „Die Siedler von Catan“. Besonders stolz ist sie auf das Exemplar links, bei dem alle Teile aus Holz sind. Das war ihr Gewinn bei den Deutschen Meisterschaften. Fotos: Schachtschneider

Calden. Seit 21 Jahren bestimmen „Die Siedler von Catan“ ihr Leben: Cornelia Moritz beherrscht das Brettspiel so gut, dass sie Deutschland bei den Weltmeisterschaften vertritt.

Die finden im September in den USA statt. Der wichtigste Ort in der kleinen Wohnung der 51-Jährigen ist der Esstisch. An dem großen runden Glastisch versammelt die Caldenerin regelmäßig Familie und Freunde, um mit ihnen gemeinsam zu „zocken“ - wie sie es nennt.

„Von dem Spiel haben die meisten schon gehört. Dass es Meisterschaften gibt, wissen aber nur die wenigsten“, sagt Moritz. Schon seit Jahren fährt sie zu Wettbewerben. Als sie sich das erste Mal für die Deutschen Meisterschaften qualifizierte, landete sie auf dem undankbaren 17. Platz - die besten 16 kommen ins Finale. „Das war schon blöd.“ Beim zweiten Mal, im November, sollte es mindestens zum Finale reichen - sie wurde Vizemeisterin.

Ehrgeiz beim Spielen hatte Moritz schon immer. In ihrer Jugend, die sie in Leipzig verbrachte, spielte sie begeistert Schach. „Es gab eine Zeit, da habe ich jeden Tag vier Stunden lang gespielt. Ich wollte gut werden.“ Schach spielt sie immer noch mit großer Leidenschaft. „Die Nummer eins ist aber ‚Die Siedler‘.“ Als das Spiel 1995 erschien, baute sie es sich selber. „Im Handel war das so teuer. Wir wollten erst einmal schauen, ob es uns überhaupt gefällt.“ Aber heute weiß Moritz: „Wer Catan einmal gespielt hat, der bleibt dabei.“

Mittlerweile steht im Wohnzimmer ein Regal voller unterschiedlicher Editionen. Besonders stolz ist sie auf ein seltenes Exemplar komplett aus Holz, das sie bei den Deutschen Meisterschaften gewonnen hat. „Damit gebe ich gerne bei Familienfeiern an.“ Dazu hat sie viele Gelegenheiten. Denn, wenn sich die Familie trifft, wird gespielt. „Bei uns sind alle Spiele-kaputt“, beschreibt sie ihre Verwandtschaft. „Meine Schwester ist noch verrückter als ich.“

Manchmal lädt Moritz ihre Familie zu Spielewochenenden ein, bei denen an mehreren Tischen „gezockt“ wird. Auch mit ihren beiden Söhnen und ihrer Tochter - mittlerweile alle erwachsen - spielt die alleinerziehende Mutter regelmäßig. „Einige Jahre haben wir Catan nie abgebaut und jeden Tag gespielt, sobald wir zuhause waren.“

In ihrer Familie ist sie nicht die einzige, die zu Meisterschaften fährt. Einmal nahm sie mit ihrem jüngsten Sohn und ihrer Mutter gemeinsam bei den Landesmeisterschaften in Sachsen teil: Ihr Sohn war der jüngste Teilnehmer, ihre Mutter die älteste.

Spielbrett von Catan: Es geht darum, Rohstoffe zu gewinnen.

Die Faszination für Brettspiele hat sie von ihrer Mutter. „Die hat immer mit uns gespielt.“ Das sei ein Teil der Erziehung gewesen und sie habe die Begeisterung weitergegeben. Jeder Familie rät sie, gemeinsam zu spielen. „Das stärkt den Zusammenhalt. Man vereinsamt nicht und wird kontaktfreudiger.“ Außerdem seien Brettspiele sehr bildend. „Man lernt, zu verlieren. Und man geht aus sich heraus, überwindet Hemmungen.“ In letzter Zeit, so ihr Eindruck, gehe die Tendenz wieder dahin, dass mehr gespielt wird. Auch auf dem Campus der Uni Kassel, wo sie als Technische Assistentin am Lehrstuhl für Experimentalphysik arbeitet, habe sie das in Pausen beobachtet.

Den besonderen Reiz von Catan machen für Moritz die vielen strategischen Möglichkeiten aus. Zu 65 Prozent sei es ein Strategiespiel - man könne aber auch richtig Pech haben. Ein weiterer Reiz: „Jedes Spiel läuft völlig anders ab.“ Und: „Es geht darum, anderen wehzutun.“ Ungern spiele sie mit jemandem, der das nicht kann.

So jemand wird ihr bei den Weltmeisterschaften nicht begegnen. Da spielen nur echte Catan-Profis, die vor einem Zug bis zu einer halben Stunde lang überlegen. Schon jetzt, einige Wochen vor der WM, ist Cornelia Moritz sichtlich angespannt. Nicht nur wegen des Wettbewerbs, sondern auch, weil sie eine große Reise erwartet. Noch nie war sie in den USA.

Um sich vorzubereiten, hat Moritz Freunde zu sich nach Calden-Westuffeln eingeladen, mit denen sie ausgiebig Catan spielen will. Ihre größte Sorge ist aber die Verständigung. „Ich kann kein Wort Englisch“, sagt sie. Ihre Tochter hat ihr mehrere Spickzettel gemacht, auf denen die wichtigsten Begriffe aus dem Spiel übersetzt sind.

Ihr Ziel bei der WM ist das Finale. „Und wenn ich das erreicht habe, will ich natürlich auch gewinnen.“ So richtig enttäuscht wäre sie nur, wenn sie am Ende selbst das Gefühl habe, schlecht gespielt zu haben, sagt Moritz. Darüber nachdenken, was sie macht, wenn sie tatsächlich Weltmeisterin wird, möchte sie aber noch nicht. „Da bin ich ein bisschen abergläubisch.“

Fünf Tipps von der Vizemeisterin

1. Man sollte eine Strategie haben und diese auch verfolgen. Merkt man jedoch, dass die während des Spiels nicht aufgeht, sollte man auch flexibel reagieren können.

2. Die Spieler sollten versuchen, Zugang zu jedem der fünf Rohstoffe zu bekommen.

3. Statt nur auf die häufig vorkommenden Würfelzahlen zu setzen, sollte man versuchen, durch verschiedene Zahlen möglichst in jeder Runde an Rohstoffe zu kommen.

4. Hilfreich kann es sein, in der Nähe von Häfen zu bauen, um besser handeln zu können.

5. Man sollte auch die Entwicklungskarten nicht außer Acht lassen. Einige davon können gerade am Anfang sehr hilfreich sein.

Die WM in den USA

Die Weltmeisterschaften im Brettspiel Catan finden alle zwei Jahre statt. Vom 23. bis 25. September treten die besten Spieler aus der ganzen Welt in der Kleinstadt Durango im US-Bundesstaat Colorado gegeneinander an. 2014 nahmen an der WM in Berlin Spieler aus 35 Nationen teil. Amtierender Weltmeister ist der damals 25-jährige Sander Stroom aus Estland.

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