Fragen und Antworten zur Lage des Flughafens

Kassel Airport in der Krise - eine Analyse

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Wenig Betrieb: Von Aufwind ist am Flughafen Kassel nichts zu spüren. Dort starten und landen nur wenige Flugzeuge.

Kassel. Der Flughafen Kassel befindet sich in einem rapiden Sinkflug. Pessimisten sprechen sogar von einem „Calden-Spuk“, den die Landesregierung im nächsten Jahr ein Ende machen könnte.

In der Tat steht in der Koalitionsvereinbarung, dass man im Sommer 2017 den Flughafen neu bewerten werde. Dramatische Folgen sind ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Andere appellieren: Um den Flughafen auf Vordermann zu bekommen, müsse schnell gehandelt werden. Hier Fragen und Antworten zur Situation:

Wie ist die Lage am Flughafen generell? 

Nicht rosig. Es gibt zurzeit nur sechs regelmäßige Flüge in der Woche. Drei nach Mallorca, einen nach Griechenland und zwei in die Türkei. Ein weiterer Flug in die Türkei war von der Fluggesellschaft Germania abgesagt worden.

Wir sieht es im kommenden Winter aus? 

Auch eher trübe. Das Sonnenziel Gran Canaria wurde von der Germania ebenfalls abgesagt. Allerdings hat der Flughafen daran wohl keine Schuld. Wegen gesetzlicher Ruhezeiten müssten die Piloten nach einem Hin- und Rückflug mit Ziel Gran Canaria sozusagen die Maschinen in Kassel-Calden stehen lassen.

Warum macht das die Germania nicht?

Zu teuer. Allerdings hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Germania dem Flughafen vor geraumer Zeit angeboten habe, mit finanzieller Unterstützung in Calden ein Drehkreuz mit festen Maschinen am Airport zu installieren. Das habe nicht geklappt, weil man im Flughafen-Management und beim Land Hessen nicht professionell gehandelt habe. Die Stationierung der Germania-Maschinen ist jetzt ein Thema am Flughafen Rostock. Offiziell sagt der Flughafen Kassel auf HNA-Anfrage dazu: Es habe nie Gespräche darüber mit der Germania gegeben. Die Germania lässt mitteilen: Man beteilige sich nicht an Spekulationen. Zu hören ist auch, dass eine neue Fluglinie Maschinen in Calden stationieren wollte. Die fliegt jetzt ab Paderborn. In den nächsten Tagen will der Flughafen verkünden, wie es mit dem Winterflugplan aussieht. Die Frage ist, ob es überhaupt einen Winterflugplan geben wird.

Und die langfristigen Perspektiven? 

Glaubt man Insidern des Flughafens, schrillen da die Alarmglocken. Man befürchtet, dass die Zeit für einen attraktiven Sommerflugplan 2017 davonläuft. Denn die Verhandlungen mit Airlines und Reiseanbietern müssen jetzt aufgenommen werden und im September abgeschlossen sein.

In der Kritik steht vor allem Flughafen-Chef Ralf Schustereder. In den zwei Jahren seiner Tätigkeit habe er nichts für den Flughafen zustande gebracht. Keine Perspektiven, keine Ideen, keine Abschlüsse - das sei die bisherige Bilanz. Ein Calden-Mitarbeiter, der ausdrücklich nicht genannt werden will: „Wenn das so weitergeht, gehen hier im kommenden Sommer die Lichter aus.“ Das Land Hessen habe als Eigentümer nicht die Dramatik der Situation erkannt und gucke nur zu.

Experten fordern einen Neuanfang in Calden: neue Geschäftsführung, neue Ideen, neue Investitionen. In Wiesbaden heißt es: Man sei mit der Arbeit von Schustereder zufrieden. Tatsache ist, dass die Staatsanwaltschaft Kassel Ermittlungen gegen Schustereder wegen Verdachts der Untreue und Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz eingeleitet hat. Schustereder und der Flughafen bestreiten die Vorwürfe, äußern sich aber zu einem aktuellen Verfahren nicht.

Wie reagiert das Personal am Flughafen auf die Situation? 

Die Stimmung ist natürlich nicht gut. Wie zu hören ist, denken einige daran, sich einen neuen Job zu besorgen. Beim Flughafen heißt es zum Thema Personal: Die Personaleinsatzplanung sei bereits heute flexibel aufgebaut und beruhe auf einer saisonalen Steuerung. Ein Stellenabbau sei aus heutiger Sicht auch bei schwankenden Flugplänen und Auslastungsgraden nicht notwendig.

Gibt es noch weitere schlechte Nachrichten?

Ja, das kleine Bistro neben dem Tower macht zu. Es lohnt sich offensichtlich nicht mehr. Alexandra Khosravani, die das Bistro betreibt, dazu: „Dass wir schließen, hat mehrere Gründe.“ Weiter wollte sie sich nicht äußern. Beim Flughafen heißt es dazu offiziell: Der Flughafen führe bereits Gespräche mit potenziellen Interessenten, um die zukünftige Ausrichtung des Bistros zu bewerten und alternative Betreiberkonzepte zu sichten.

Aufgrund „des noch ausstehenden Rückbaus kann ein sofortiger Übergang des Betriebes nicht erfolgen“. Der Flughafen arbeite intensiv daran, für den Übergang zumindest einen Betrieb mit eingeschränktem Angebot sicherzustellen.

Das große Bistro, das auch von Alexandra Khosravani betrieben wird, bleibt weiter geöffnet. Es ist nach wie vor ein beliebter Anlaufpunkt für die Schaulustigen am Flughafen.

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