Kassel Airport

Hobby-Pilot kritisiert Personalpolitik des Flughafens Calden

Auch private Flieger betroffen: Am Kassel Airport gibt es zurzeit zu wenig Fluglotsen. Krankheitsfälle sollen der Grund sein. Hobby-Piloten und Flugschulen sehen das anders. Archivfoto: Thiele

Calden. Als Hobby-Pilot Dr. Norbert Frank am 6. März um 14 Uhr mit seinen Ultraleichtflugzeug in Calden starten wollte, wartete er 35 Minuten auf seine Starterlaubnis.

„Ich habe also nachgefragt, was los ist“, berichtet der in Witzenhausen ansässige Arzt. „Man sagte ihm, dass es Personalmangel gebe und zu wenig Fluglotsen zur Verfügung stünden. „Ich habe in meinen ganzen acht Jahren Flugerfahrung nie erlebt, dass ich wegen Personalmangels nicht starten durfte.“

Norbert Frank

Um 14.35 Uhr durfte Frank dann endlich

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abheben. Allerdings habe er an diesem Tag beobachtet, dass mehrere Flugzeuge, keine Verkehrs- aber Hobbyflieger, die bereits im Anflug waren, keine Landeerlaubnis in Calden erhalten hatten und ohne Vorwarnung durch ein Notam - dies muss sich jeder Pilot vor dem Start durchlesen, sofern es existiert - wieder abdrehen mussten. Jeder Pilot habe also davon ausgehen müssen, dass der Flughafen zu seinen normalen und festgeschriebenen Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr geöffnet ist und man dort regulär landen kann. Das Notam kam erst am 7. März per Fax und beinhaltete nur die Einschränkungen für den 8. und 11. März.

„Man stelle sich besser gar nicht vor, was passiert wäre, wenn die Flugzeuge am Sonntag Spritmangel oder einen medizinischen Notfall an Bord gehabt und dann keine Landeerlaubnis erhalten hätten. Da hätte etwas Schlimmes passieren können“, so Frank. Er führt diesen Zustand auf eine mangelhafte Personalpolitik seitens des Flughafenbetreibers zurück. „Wenn man nicht in der Lage ist, die für einen Verkehrsflughafen nötigen Fluglotsen zu stellen, mindestens sechs, besser acht, dann muss man den Flughafen zum Verkehrslandeplatz degradieren.“ Dann brauche man auch nur einen Lotsen auf dem Turm.

So sei es eine Zumutung für die Flieger, die dort regelmäßig hohe Landegebühren bezahlten, weil sie fliegen möchten. Gerade jetzt bei schönstem Wetter müsse Calden auf diese Einnahme verzichten. „Das muss man sich mal überlegen: Da baut man einen Flughafen, der sich finanzieren soll, und dann wird durch personelle Fehlentscheidungen und stundenweise Sperrungen genau das verhindert. Eine Schweinerei.“

Wie viele Fluglotsen beim Airport Kassel arbeiten und wie viele davon zurzeit krank sind, war nicht zu erfahren. „Wir bitten um Verständnis, dass wir über die genauen Personen und Ursachen der Krankheiten an dieser Stelle keine Auskunft geben können“, sagte eine Sprecherin.

Auf die Frage, warum den Piloten die Einschränkungen für den 8. und 11. März erst am 7. März zugestellt wurde, antwortete sie: „Die aktuellen Krankheitsfälle sind uns erst an diesem Tag bekannt geworden. Krankheiten kündigen sich erfahrungsgemäß nicht langfristig an.“

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